Von Pfr. Dr. Eugen Daigeler

Leben in Fülle

Inmitten der sommerlichen Tage liegt am 15. August das wunderbare Fest Mariä Himmelfahrt. Natürlich zeugt der Feiertag zuerst von unserer Zuneigung zur Mutter Christi. Unzählige Bilder und Figuren in Kirchen, am Wegesrand oder in unseren Häusern belegen die beständige und gesunde Verehrung der Gottesmutter. Gleichzeitig ist das Fest die Feier einer grossen Berufung. Es geht um die Berufung zum Leben in Fülle, das uns Christus gebracht hat. Die Gottesmutter ist die Erste, an der diese urchristliche Berufung mit Leib und Seele Wirklichkeit geworden ist, da Maria ganz in die Himmlische Herrlichkeit aufgenommen wurde.

Ihr Weg scheint uns erhaben und – in unserer Schwachheit – oft unerreichbar. Doch ist er das? Dass Maria das Leben in Fülle empfangen hat, ist auch für sie ganz und gar Geschenk – Geschenk Gottes: ihre Ausnahme von der Erbsünde, ihre Erwählung zur Mutter Gottes. Dennoch hat sie selbst einen unverzichtbaren Beitrag dazu geleistet, indem sie Gottes Plänen vertraut hat, indem sie von Herzen «Ja» gesagt hat zum Willen des Herrn in Wort und Tat. Darin ist sie uns ein leuchtendes Vorbild und eine mütterliche Ermutigung.

Die Gottesmutter und mit ihr eigentlich alle Heiligen, zeigen uns, was unsere Berufung als getaufte Christ-Gläubige ist: Immer mehr auf Gott zu vertrauen und unser Leben nach seiner Weisung zu gestalten. Heilige sind Menschen, die das Evangelium in ihrem Leben ernst nehmen, sich von der Botschaft Christi prägen lassen. Das ist auch für uns als Getaufte der Weg zum Leben in Fülle – schon in dieser Welt und mehr noch in der kommenden.

Vom Glauben der Mutter Christi gestärkt und von den vielen Heiligen und ihrem Leben ermutigt, sind wir aufgefordert, unsere Taufberufung zu bedenken und sie zu leben, denn dieses grosse Sakrament der Gotteskindschaft ist Geschenk und Auftrag zugleich. Dazu passt ein Wort des grossen, englischen Theologen John Henry Newman (1801 – 1890), an das wir jedes Mal denken dürfen, wenn wir uns mit dem Weihwasser bekreuzigen, das wir zu Hause haben und das hoffentlich bald wieder in unsere Kirche einzieht.

Den vollständigen Artikel können Sie als Abonnent des SKS lesen.

Jetzt Abonnent werden