Von P. Bernward Deneke FSSP

Streit der Tugenden

Unter den Tugenden hat sich ein Streit über ihre Wichtigkeit erhoben. Angesichts der imposanten drei göttlichen Tugenden zogen sich die Kardinaltugenden bescheiden zurück; sie wussten zwar um ihren Wert, doch keine von ihnen konnte erwarten, es mit Glaube, Hoffnung und Liebe aufnehmen zu können. Allenfalls von der Demut, der hochgerühmten, meinten manche, sie solle zum Kampf antreten. Aber dafür, ihre eigene Stellung hervorzukehren, war die Demut selbstredend zu demütig. Übrigens hatte auch die Hoffnung keine Hoffnung, zu siegen, und so blieben am Ende nur drei Streiter in der Arena. Drei? Ja, es blieben drei; denn nicht nur lagen Glaube und Liebe im Gefecht, sondern die Liebe selbst, dieses Zwillingspaar, war in sich uneins: Gottes- und Nächstenliebe suchten sich gegenseitig den Rang streitig zu machen.

In dem Wettkampf kehrte der Glaube hervor, dass ohne ihn gar nichts gehe. Die Gottesliebe hänge völlig von ihm ab, und im Unterschied zur Nächstenliebe habe er es direkt mit Gott, dem höchsten Gut, und nicht nur mit den Kreaturen zu tun. Die Gottesliebe bestätigte den Glauben darin, dass die Hinwendung zum Schöpfer höher stehe als die zu den Geschöpfen, hielt ihm aber mit Entschiedenheit entgegen, dass ihre Hingabe an Gott zu einer tieferen Vereinigung führe als das blosse Für-wahr-Halten. Die Zwillingsschwester der Gottesliebe schliesslich verteidigte gegen beide die vorrangige Wichtigkeit, sich den Menschen in Güte und Barmherzigkeit zuzuwenden.

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