Von Prof. Dr. Marius Reiser

Der Pfingstgeist

Das Thema und der Hauptakteur der Pfingstgeschichte in Apg 2 ist der Heilige Geist. Er ist wie sein Realsymbol, der Wind, etwas höchst Unanschauliches, aber nichtsdestoweniger höchst Wirksames. Lukas sieht in ihm nicht nur die treibende Kraft, sondern auch das Prinzip der Heilsgeschichte, das ihre Einheit und ihren Sinn garantiert. Denn ohne ein Wirken des Heiligen Geistes zerfällt die Geschichte in mehr oder weniger zufällige Ereignisse ohne viel Sinn und Zusammenhang. Deswegen erwähnt Lukas ihn so oft. Johannes der Täufer ist schon vom Mutterleib an vom Hl. Geist erfüllt (Lk 1,15.17); Jesus wird zum Zeichen seiner Gottessohnschaft aus hl. Geist gezeugt (Lk 1,35); bei der Taufe steigt dieser Geist «in leiblicher Gestalt» auf ihn herab (Lk 3,22); «voll des Heiligen Geistes» besteht er die Versuchungen in der Wüste und kehrt «in der Kraft des Geistes» nach Galiläa zurück (Lk 4,1.14); in seiner ersten öffentlichen Predigt stellt sich Jesus als der von Jesaja verheissene Geistträger vor (4,18) und das letzte Wort des Auferstandenen an seine Jünger ist die Verheissung eben dieser «Kraft aus der Höhe» (Lk 24,49; Apg 1,4. 8). Die Erfüllung bringt das erste Pfingstfest nach Ostern. In den 28 Kapiteln der Apostelgeschichte wird der Hl. Geist rund 60 Mal erwähnt. Als Hauptakteur einer ganzen Erzählung tritt der Geist aber nur in der Pfingstgeschichte auf.

Das Wort für «Geist» bedeutet sowohl im Hebräischen als auch im Griechischen konkret «Wind, Hauch». Deshalb konnte Lukas, um sein Kommen und sein kräftiges Wirken zu schildern, von einem starken Windbraus erzählen. Im Wind kann sich bekanntlich schon im Alten Testament Gott selbst zeigen (1 Kön 19,11f).

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