Von Prof. Dr. Marius Reiser

Ostern als «Erwachen aus dem Traum»

Die Darstellung der Erscheinungen Jesu in den beiden letzten Kapiteln des Johannes-Evangeliums hat in vielerlei Hinsicht etwas Traumhaftes. Da ist ein Wettlauf von zwei Jüngern zu einem leeren Grab und dessen Inspektion, die zu nichts führt als ihrer kopfschüttelnden Rückkehr nach Hause.

Kurz darauf steht Maria Magdalena zum zweiten Mal vor dem Grab und weint. Sie beugt sich in die Grabkammer und sieht dort auf einmal zwei Engel sitzen. Die Engel erkundigen sich: «Warum weinst du?» Warum weint eine Frau an einem Grab? Maria sieht in den Engeln offenbar zwei normale junge Männer, antwortet ganz sachlich, sie suche ihren Herrn und wisse nicht, wohin man ihn gebracht habe. Dann wendet sie sich um und erblickt einen Gärtner, der ziemlich plötzlich und unversehens aufgetaucht ist. Der fragt sie ebenfalls, warum sie weine, fügt aber noch hinzu: «Wen suchst du?» Er hat das vorige Gespräch mit den Engeln offensichtlich mitbekommen. Jetzt wird die Antwort der Magdalenerin doch etwas merkwürdig: «Herr, wenn du ihn weggebracht hast, sag mir, wohin du ihn gelegt hast! Dann will ich ihn wegbringen.» Sie will als Frau und ganz allein den Leichnam wegbringen? Wie und wohin denn? Diese Gespräche sind wie Traumgespräche: scheinbar vernünftig und sachlich, bei Licht betrachtet aber verworren. 

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