Von Dr. phil. Martha von Jesensky

Der weltweit bekannte gesellschaftstheoretisch orientierte Philosoph Jürgen Habermas hat gerade zu seinem 90. Geburtstag sein neues Hauptwerk, «Auch eine Geschichte der Philosophie» (1752 Seiten) veröffentlicht. Mit dieser Geschichte der Philosophie schliesst er sein Werk ab, das, wie bei Kant, Hegel und Heidegger, auf das eigene Denken zuläuft.

Habermas deutet die Geistesgeschichte der Menschheit – wie Hegel und Herder – als kollektiven Lernprozess, angetrieben von kognitiven Widersprüchen zwischen Wissenschaft, Politik und überlieferten traditionellen Werten, insbesondere der christlichen.

Er erkennt den Einbruch des Göttlichen als «Gestalt des Geistes» in der Gegenwart nicht an, weil das Denken seiner Meinung nach überzeugende Lernprozesse durchlaufen hat, hinter die «es nicht mehr zurückfallen könne». Er sagt: Wir können hinter diesem Lernprozess der Menschheit nicht «nostalgisch» zurück zu Thomas von Aquin. Der Glaube an Gott ist für ihn deshalb wie ein «religiöser Sitzenbleiber», der die Versetzung in die Gegenwartsklasse nicht geschafft hat oder nicht mitmachen will (vgl. «DIE ZEIT» / Feuilleton, 7. November, S. 60).

Vor diesem Hintergrund wird es klar, warum Habermas in vielen Interviews seine religiöse Gesinnung offenlegt: «Ich bin religiös nicht musikalisch». Mit Recht fragt der Philosoph Michael Hampe, Professor für Philosophie an der ETH Zürich, ob diese «Fortschrittsgeschichte» Habermas tatsächlich plausibel ist.

Nun, wie man weiss, «Philosophie» (griech. philosophia) hat mit Liebe zur Weisheit zu tun. Beim antiken Philosophen Aristoteles, der das Christentum noch nicht kannte, heisst sie Metaphysik (vom griech. meta ta physika, «hinter dem Physischen», bzw. über alle mögliche Erfahrung hin­ausgehend).

Alle Heiligen der katholischen Kirche haben diese Erfahrung gemacht. Die Erfahrung mit dem Geist Gottes, der ihnen seine Gaben geschenkt hat. Nicht damit sie im Gegensatz zu manchen Gelehrten diese Gaben missbrauchen, indem sie ohne Gottesfurcht ihre Gedanken verbreiten, sondern um sie zur Ehre Gottes und zum Seelenheil der Menschen einzusetzen.

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