Von Pfr. Stephan Müller

Über die unsterbliche menschliche Geistseele

In einer österreichischen Zeitung fand sich ein Artikel der es wert ist, thematisiert zu werden. «Hund und Herrl im selben Grab bestatten?» Ein österreichischer Theologe plädierte in diesem Artikel dafür, Mensch und Tier im selben Grab zu bestatten und auch den Tieren die christlichen Bestattungssymbole zukommen zu lassen, wie z. B. Kreuz, Kerze, Blumen; da und dort geschieht dies auch tatsächlich, sogar auf eigenen Friedhöfen! Mensch und Tier im gleichen Grab zu bestatten, könnte vielleicht als «Tierliebe» verstanden werden. Für viele einsame Menschen ist ein Haustier eine gute Hilfe, weil sie sonst niemand haben, leider. Wenn wir jedoch ein wenig hinter die weltanschaulichen Kulissen unserer Gesellschaft blicken, erkennen wir Entwicklungen, die uns nicht gleichgültig lassen.

Menschen und Tiere auf die gleiche Stufe zu stellen ist, denke ich, zunächst Ausdruck einer menschlichen Hilflosigkeit und Orientierungslosigkeit. Es ist scheinbar Menschen nicht mehr bewusst, wer der Mensch ist und was ein Tier ist. Unserer Gesellschaft entschwindet das Bewusstsein der sogenannten «christlichen Anthropologie», der Wahrheit über den Menschen. Ist der Mensch nur mehr ein Gebilde aus Fleisch und Knochen und körperlichen Trieben? Hat der Mensch nicht doch auch eine höhere Wirklichkeit als seinen Körper, als die Tiere?

Menschen und Tiere auf die gleiche Stufe stellen und miteinander begraben, ist auch ein Signal dafür, dass in unserer Gesellschaft eine klare Vorstellung über die unsterbliche Geistseele des Menschen nicht mehr ohne Weiteres vorhanden ist. Mit anderen Worten: Nicht mehr alle Menschen glauben an die Existenz einer unsterblichen menschlichen Geistseele. Eine der Ursachen für diese Entwicklung liegt in den östlich-asiatischen Religionen, z. B. im Buddhismus; die östlichen Religionen haben für Menschen und Tiere sehr verschwommene Seelenvorstellungen. Solche östliche Vorstellungen haben sich auch bei uns ausgebreitet.

Doch: Wer nicht mehr an die Unsterblichkeit einer menschlichen Geistseele glaubt, glaubt auch nicht an einen Schöpfergott und auch nicht an die Existenz eines Himmels oder einer ewigen Gottesferne. Im Klartext ist das die Einstellung: Mit dem Tod, mit dem Eingehen in den Sarg bzw. in die Urne ist alles vorbei, das Leben ist zu Ende. Das ist die versteckte Haltung, die sich bewusst oder unbewusst dort verbirgt, wo Menschen und Tiere auf die gleiche Ebene gestellt und in das gleiche Grab verfrachtet werden. Wir sind hier mit einer völlig materialistischen Weltanschauung konfrontiert, einer Weltanschauung, die der hl. Apostel Paulus so brandmarkt: «Lasst uns essen und trinken, denn morgen sind wir tot» (1Kor 15,32).

Religionsgeschichtlich: Es war den Menschen aller Religionen und Zeiten immer diese geistige Dimension des Menschen bewusst, auch der Jenseitsbezug war damit gegeben. Der Verlust der geistigen Dimension des Menschen und der daraus hervorgehende Verlust des Jenseitsbezuges ist ein Novum und eine schwere Krise, die erst in der Neuzeit begonnen hat. Am Beginn dieser Entwicklungen stehen übrigens die Lehren der Reformatoren des 16. Jh.. Heute sind das Aufgeben der geistigen Dimension des Menschen (die Seele und ihre Bedeutung) und die Ablehnung des Jenseitsbezuges allgemein verbreitet. Stichwort: Atheismus. Der Mensch wird auf das Leibliche und Sichtbare reduziert, auf die Ebene des Tieres gestellt. Das hat es, religionsgeschichtlich gesehen, im alten Heidentum tatsächlich nie gegeben. Das alte vor- und ausserbiblische Heidentum hatte mit den Göttern zwar viele irrige Gottesvorstellungen, doch es hat um die Transzendenz des Menschen gewusst.