Von Kurienkardinal Robert Sarah

Unsere Kultur leidet am geistigen Klimawandel

Der Kampf gegen die Verschmutzung von Luft und Wasser, für die Bewahrung der natürlichen Ressourcen ist ein berechtigtes Anliegen der Gesellschaft und das Ziel einer neuen Wissenschaft, der Ökologie. Aber es gibt noch andere Gefahren, die unsere Zukunft bedrohen: die vielen Formen von moralischer Verschmutzung. Auch sie vergiften die Luft, die wir einatmen. Sie deformieren unser Gewissen, verzerren unsere Urteilskraft und unsere Sensibilität, pervertieren die reale Liebe, treiben die Menschheit in den Untergang. Der Ort, von dem diese moralische Verschmutzung ausgeht, ist der Westen, und deshalb läuft er Gefahr zu verschwinden, wie damals das antike Rom.

Für die Jünger der Postmoderne sind die traditionellen Werte der jüdisch-christlichen Kultur überholt, unnütz, gefährlich. Noch nie wurde die Familie so verächtlich gemacht. Unter dem Deckmantel von Humanismus und Brüderlichkeit wird die Würde des Menschen mit Füssen getreten. Der Sittenverfall und die Gewalt gegen Frauen haben einen Punkt erreicht wie wohl noch nie zuvor. Der Westen ist mit Gedanken vergiftet, die unser Gewissen verbilden und unser Empfinden pervertieren.

Immer gab es Bosheit, Gewalt, Verbrechen und sexuelle Perversion. Mit Sicherheit gab es Epochen in der Geschichte, als das Hässliche, Brutale, Obszöne, Niederträchtige, als erotische Zügellosigkeit und Sexbesessenheit ebenso den Ton angaben wie heute. Aber im Gegensatz zu jenen Zeiten herrscht heute eine institutionalisierte hedonistische Kultur, welche die Lebensgrundlagen unserer Nachwelt bedroht. Es ist noch gar nicht so lange her, dass die Jugendlichen sich in einer Welt unbestrittener, von der jüdisch-christlichen Zivilisation überlieferter Werte bewegten. Heute werden diese Werte als unangebracht und veraltet abgetan, ja sogar bekämpft.