Von Dr. phil. Martha von Jesensky

Joachim Müller-Jung schreibt in der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung»: Man kann die Sippe, die seit nun fast siebzig Sommern Jahr für Jahr in einem Inseldorf am Bodensee zusammengetrommelt wird, als einen höchst ungewöhnlichen, höchst elitären Menschenstamm begreifen.

Man kann es aber auch wie Brian Schmidt, Physiknobelpreisträger von 2011, sehen. Schmidt hat auf dieser 69. Lindauer Nobelpreistagung in ei-ner emotionalen Eröffnungsrede die Wissenschaftler dazu aufgerufen, «alles zu tun, um den Rest der Gesellschaft wieder an das gemeinsame Lagerfeuer zurückzuholen … Wir müssen es irgendwie schaffen, zusammen mit allen eine Zukunft zu bauen, in der man Wissenschaft und Evidenz wieder vertraut.»

Aber was fehlt – oder was ist verloren gegangen, wenn eine solche resignative Stimme in einer wissenschaftlichen Tagung aufkommt? Dietmar Daht glaubt es zu wissen. Er schreibt in der FAZ: (Auszug)

«Jede Menschenseele, die beim Heraufziehen der Nacht je die Venus hat blitzen sehen und sehnsüchtig dachte: Ich will da hin …, hat damit den Kopf in eine Welt gesteckt, die merkwürdiger ist, als wir denken. Die überall wirksame Schwerkraft zum Beispiel wirkt nicht so, wie Newton glaubte, nämlich allseits ohne Verzögerung, sondern braucht dabei Zeit und verbreitet Neues, wenn sich ihre Quelle verändert, in Form von Wellen und Raumzeit, wie Albert Ein-stein 1916 bekannt gab. Seit 2016 wissen wir, dass diese Wellen nicht nur Kopfkonstrukte, sondern mess-bare Ereignisse sind … Wir Menschen erschliessen uns das, was die Welt nicht so sehr ‹im Innersten› zusammenhält … als vielmehr das, was sie ‹im Äussersten› biegt und kräuselt» (6. Juli 2019).