Von Pfr. Dr. Guido Rodheudt

Konrad Adenauer schob eine ruhige Bocciakugel im italienischen Cadenabbia, Helmut Kohl ruderte auf dem österreichischen Wolfgangsee, US-Präsident Georg W. Bush verbrachte an die 60 Urlaubstage im Jahr auf seiner Familienranch im texanischen Crawford, was ihm den zweifelhaften Ehrentitel «Ferien-Präsident» einbrachte, Barack Obama kehrte Jahr für Jahr zum Urlaubmachen auf Martha’s Vineyard an der Südküste von Cape Cod ein, die er schon vor Jahrzehnten als regelmässiges Urlaubsdomizil erkoren hatte, und Donald Trump relaxt im «Trump National Golf Club», ein eigenes Luxus-Ressort des Milliardärs, in das er sich auch in diesem Sommer zehn Tage zurückzieht, um dort sein Sommerdomizil aufzuschlagen. Angela Merkel hat ein Faible fürs Wandern durch die Südtiroler Bergwelt, so wie viele andere Staatsmänner, die die Zeit der Ferien für Regeneration nutzen und dabei ungeahnte sportliche Dimensionen erreichen, so wie der russische Präsident Wladimir Putin, den es Jahr für Jahr in den Aktivurlaub nach Sibirien zieht mit Wandern, Schwimmen und Fischen.

Auszeit mit Hintergedanken

Aber abgesehen von den äusseren Aktivitäten: Mit diesen wiederkehrenden Urlaubsgewohnheiten verbinden die Politiker und Staatslenker nicht zuletzt auch eine politische Botschaft. Sie ist einfach und lautet: Die Mächtigen dieser Welt sind Menschen wie Du und ich. Sie nehmen sich eine Auszeit und tanken für den Alltag auf. Bei ihnen herrscht Urlaubsstimmung. Sie strahlen Ruhe, Sicherheit und Vertrauen aus. Es gibt ein Leben jenseits der Politik. Wobei dieser Eindruck trügt. Denn immer wieder werden die Urlaubsorte dann doch zum sommerlichen Regierungssitz, in dem Staatsgäste empfangen werden, um mit ihnen in Freizeitkleidung so ganz nebenbei weitreichende politische Entscheidungen zu treffen. Legendär ist zum Beispiel Helmut Kohls historischer Smalltalk mit Michail Gorbatschow, der beim Spaziergang durch den Kaukasus Deutschland im Jahre 1990 die uneingeschränkte Souveränität zurückschenkte. Kohls blaue Strickjacke, die er bei dieser pseudo-informellen Gelegenheit trug, schrieb Geschichte und ist heute als historische Reliquie im Bonner Haus der Geschichte ausgestellt. Und auch Wladimir Putin betreibt noch im Urlaub Politik, wenn er sich jagend und fischend in der sibirischen Bergwelt präsentiert und mit seiner körperlich- sportlichen Präsenz politische Unabhängigkeit seines Landes signalisiert und die Fähigkeit, sich zur Not auch selbst zu versorgen.

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