Von P. Bernward Deneke FSSP

Hat der alte Hexenmeister sich doch einmal wegbegeben!/ Und nun sollen seine Geister auch nach meinem Willen leben… Der Beginn von Goethes Ballade „Der Zauberlehrling“. Ein Anfänger im Bereich der Magie versucht, in Abwesenheit des Meisters das anzuwenden, was er von ihm gelernt hat. Dabei entsteht ein heilloses Chaos. Er kann die beschworenen Mächte nicht mehr unter Kontrolle bringen. Deshalb ruft er endlich nach dem Meister: Herr, die Not ist gross! Die ich rief, die Geister, werd ich nun nicht los.

Ja, es ist riskant, Geister herbeizurufen. Das bestätigen z.B. Erfahrungen mit jungen Menschen, die der okkulten Versuchung erliegen. Manche Eltern und Lehrer wissen hier Schauerliches zu berichten. Es genügt nicht, solche Phänomene rein psychologisch zu erklären: Da sind Mächte am Werk, mit denen nicht zu spassen ist.

Ist es aber auch gefährlich, zu rufen: Veni, Sancte Spiritus – „Komm Heiliger Geist“? Für viele sind die Worte zur Gebetsformel erstarrt. Man bedenkt nicht, welchem Risiko man sich mit ihnen aussetzt: dass nämlich der Heilige Geist wirklich mit Macht komme.

Die scheinbar so vertraute Szene des Pfingstereignisses ist in mancher Hinsicht eher beängstigend als anheimelnd. Da werden plötzlich Menschen – und mit ihnen das Haus, in dem sie sich befinden – von einem heftigen, brausenden Orkan durchgeschüttelt, Feuerflammen fallen auf sie herab und sie beginnen wie Betrunkene in fremden Sprachen zu lallen (Apg 2,1-4). Von da ab werden die Männer auf eine Bahn getrieben, die gefahrenreich ist, voller Anfeindung und Verfolgung. Und am Ende steht für fast jeden von ihnen ein qualvoller Tod.

Kann man da einfach so rufen: „Komm, Heiliger Geist“? Dieser Geist stellt eine wirkliche Bedrohung für uns dar, für unsere Selbstzufriedenheit, unsere Bequemlichkeit, unsere Lebenslügen und sündhaften Gewohnheiten.

 

Komme – besuche – erfülle!

Im altehrwürdigen Pfingsthymnus Veni Creator Spiritus („Komm Schöpfer Geist, kehr bei uns ein“) werden drei Stufen der Ankunft des Heiligen Geistes genannt: Veni – visita – imple: „Komm Schöpfer Geist, kehr bei uns ein, besuch das Herz der Kinder Dein, erfüll uns all mit Deiner Gnad, die Deine Macht erschaffen hat.

Veni: Der Heilige Geist ist zwar an Pfingsten schon gekommen und in unser Leben durch Taufe und Firmung eingetreten, doch will Er immer wieder kommen. Wie der Wind, der in die Segel unseres Lebensschiffes bläst, um uns weiterzutreiben. Wie ein Geistesblitz, der uns trifft und zu neuen Einsichten führt. Wie ein Energiestrahl, der uns ständig antreibt.

Visita: Über das blosse Kommen hinaus will Er uns auch wahrhaft besuchen. In manchen Gegenden ist es üblich, Einladungen auszusprechen, die nicht ganz ernst gemeint sind; man ärgert sich geradezu, wenn sie tatsächlich angenommen werden. Verhält es sich mit unserer Einladung an den Heiligen Geist vielleicht ebenso? Es muss das ja Haus für den hohen Gast bereitet sein, befreit von allem, was Sein Missfallen erregen könnte. So erkennen wir daran, ob und wie wir unser Herz bereiten, ob wir den Besuch auch wirklich wollen.

Schliesslich: Imple. Wie ein Tempel sollen wir von der Gegenwart Gottes erfüllt werden. Alle Seelenkräfte – Vernunft und Wille, Erinnerung, Gemüt und Phantasie – will der Heilige Geist durchdringen, durchtränken, durchglühen. Deshalb muss der andere, der böse Geist fliehen. „Weiche, unheiliger Geist, und gib Raum dem Heiligen Geist, dem Tröster“, heisst es im traditionellen römischen Taufritus. Wo nicht der eine Geist, da der andere!