Von Dr. phil. Martha von Jesensky

Peter Unfried, der Chefredakteur der Tageszeitung  „taz“, sprach mit dem  Universalhistoriker  Yuval  Noah Harari  (geb.1976) in Haifa. In seinem  Buch  „Eine kurze Geschichte der Menschheit“, vertritt  Harari die These,  der  Mensch  verdanke  seine  Stellung auf der Erde vor allem  seinen  kulturellen Fähigkeiten wie der Fantasie, die eine kollektive  Erzählung und  kollektives  Handeln ermöglicht habe. In „Homo Deus“ prophezeite  er, die   technischen   Möglichkeiten würden den  Menschen  in  naher  Zukunft  zu  Gott  machen (2019).

Gilt  das  hier Gesagte  auch  für  die  wissenschaftliche Fähigkeit,  die bisher  unbekannten  Rätsel  des  Universums  zu  entschlüsseln? Davon  gehen, so denke ich, der  theoretische  Physiker  Andrew  Strominger  und  eine  Reihe   anderer  Astrophysiker  aus.  Strominger:

Es  liege  eine  Revolution  in  der Luft,  uns  steht  eine   Umwälzung   des  Naturverständnisses  bevor,  die  mindestens  so  tiefgreifend sein wird, wie  es  vor  hundert Jahren  die   Erschütterung  unseres  Konzepts von Raum  und Zeit  durch  Einsteins  Relativitätstheorie  war.

Worum geht es?   Es  geht  um  das  erste sichtbare  Bild eines schwarzen  Lochs  aus  einer  fernen Galaxie, um ein Moloch  (Schwerkraftmonster),  im  Zentrum  der   Milchstrasse.  Schwarze  Löcher ballen gewaltige Massen auf einem einzigen Raumpunkt zusammen.  Nirgendwo  sonst  wirken  so   starke   Gravitationsfelder auf  so  engem  Raum.  Deshalb  sind  schwarze  Löcher  der  Ort,  an  dem Theoretiker die Antwort darauf  zu finden hoffen,  wie sich die Naturgesetze  von Mikro- und  Makrowelt,  das  heisst,  von  Atomen  und  Galaxien,  zu  einer  allumfassenden  Weltformel   vereinigen  lassen.  Dieses  erste Bild eines  schwarzen Lochs erlaubt  tiefe  Einblicke  in   das  Wesen  des  Universums.  Der  auf  dem Bild sichtbare  Moloch  ist 26.000 Lichtjahre von der Erde entfernt  und  vereint  die  Masse  von  vier Millionen Sonnen in sich.

DER  SPIEGEL: Die Veröffentlichung  dieses  und  drei  weiterer Bilder lässt  sich  als  Triumph  menschlichen  Entdeckergeistes  verstehen  und  als   Rekord  vermessender   Präzision.  Acht  Teleskope  an   entlegenen Orten  der  Erde mussten  dazu  ihre  mächtigen   Radioschüsseln  exakt  synchron  auf  den  winzigen  Punkt  im  Sternbild  Jungfrau  richten … Und  das   Ding,  dessen   Schatten  darauf sichtbar wird,  ist  ungeheuerlich:  ein   supermassives   schwarzes  Loch, schwer wie  6,5  Milliarden Sonnen.  Es  zeugt  den  Rand  des  Nichts … es öffnet  den   Blick  bis  ans  Ende der Welt …  wirklich  und  wahrhaftig  Abbild  eines   schwarzen  Lochs.“  Schlussendlich  wird  auch  unser  Planet, so die Wissenschaftler,    in  ein   solches  Loch  verschwinden (Nr. 16 / 13.4.2019).