Von Generalvikar Andreas M. Fuchs

Die Einladung Jesu

Jesus selber ist es, der uns zur Feier der Eucharistie und zum Empfang der hl. Kommunion einlädt: «Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tag» (Joh 6,53-54).

Wir sollen die Eucharistie aber nicht nur einfach empfangen, sondern wir sollen sie fruchtbar empfangen. Wie kann das geschehen? Der hl. Karl Borromäus, der auch für die Schweiz eine grosse Bedeutung hat, hat dies in verschiedenen Predigten aufgezeigt.

 

 

1. Sich von Todsünden reinigen

«Die Eucharistie ist ein Sakrament der Lebenden und es ist nötig, dass jene, die es empfangen, im Stand der Gnade sind: es ist genau dazu eingesetzt worden, um ihr geistliches Leben zu nähren und zu vermehren. Darum sollen jene, die sich in Todsünde befinden, sich von diesem Tisch fernhalten. Sie sollen zuerst zum Leben, d.h. zur Beichte eilen, die zweite Planke des Heils nach dem Schiffbruch; sie möge voll Reue dem Priester ihre Sünden beichten und den Vorsatz fassen, sie in Zukunft nicht mehr zu begehen. Das Sakrament der Beichte ist in der Tat die erste und notwendige Disposition (Verfassung), um die Eucharistie gut zu empfangen.»

 

 

2. Sich von lässlichen Sünden reinigen

«Kann der Christ sich mit dieser einzigen Vorbereitung begnügen, sich nicht mit Todsünden zu beflecken? Bestimmt nicht! Es gibt eine weitere Vorbereitung, damit er die Eucharistie fruchtbarer empfängt: er wird sich bemühen, sich auch von den lässlichen Sünden zu reinigen, entweder durch die Beichte oder wenigstens durch einen Akt der Reue; denn die lässlichen Sünden lassen uns die Gnade nicht verlieren, aber sie lassen die Liebe zu Gott erkalten.

Wer nicht auf diese kleinen Sünden achtet, der fällt langsam langsam in die grösseren: so wie eine lange Krankheit zum Tod führt, so bereiten die lässlichen Sünden den Weg für die Todsünden. Man muss höchste Aufmerksamkeit darauf haben, diese Krankheit zu heilen, auch vor der hl. Kommunion, damit wir vorbereitet sind, um die reichsten Früchte in uns zu verkosten.»

 

 

3. Empfindungen der Andacht bzw. die Liebe zu Jesus erwecken

«Der Christ, der sich anschickt, sich dem Heiligen Altar zu nähern, soll in sich einige besondere und tiefe Empfindungen der Andacht erwecken. Diese können durch folgende Betrachtungen gefördert werden: Wem nähere ich mich Armer und Unwürdiger? Wer ist es, den ich empfange? Was tue ich da? Ich habe mich entschlossen, den zu empfangen, der Himmel und Erde durch ein Wort erschaffen hat; durch dessen Vorsehung alles gelenkt und regiert wird; der durch einen einzigen Wink alles zu Nichts machen könnte; dem der Vater die Macht gegeben hat, alles zu richten; den die Engel zu betrachten wünschen und vor dem die Dämonen zittern; vor dessen Name jedes Knie sich beugt, im Himmel, auf Erden und unter der Erde; vor dem selbst die Engel nicht ohne Makel sind, die Säulen des Himmels erbeben und unsere Werke der Gerechtigkeit wie ein schmutziger Lappen sind; der die Lebenden und die Toten richten wird; der die Quelle aller Unschuld und Reinheit ist und vor aller Unreinheit und allem Schmutz flieht.

Ich Unreiner, niedrigstes Geschöpf, der tausendmal in die Sünde gefallen ist, bin daran, diese Person zu empfangen, deren grosser Schuldner ich bin, der mich so sehr geliebt hat, dass er mir sein Leben für mich hingegeben und den Tod erlitten hat, um sich mir als Speise zu schenken. Die Betrachtung seiner Erhabenheit, seiner Güte und Liebe, werden in uns Empfindungen der Zuneigung erwecken, so dass wir bereit sind, die Fülle der himmlischen Früchte zu empfangen.»

 

«Wie die Wellen des Meeres ein Gefäss gemäss seiner Fassungskraft füllen, so wird auch unser Herz, wenn es leer wird von den Beschäftigungen, den weltlichen Sorgen, von jeder Unreinheit, mit dem Wasser der göttlichen Gnade erfüllt werden, die eine tiefes und unendliches Meer ist. Meine Kinder, wie ich euch sagte, ist diese fromme Empfindung äusserst nützlich. Ihr Mangel, zusammen mit der Geringschätzung dieses Sakramentes, kann so schädlich sein, dass die Menschen in die Todsünde stürzen. Darum müssen wir sehr aufmerksam sein.»