Wir stehen mitten im Marienmonat Mai und verleihen unserer Verehrung der Gottesmutter in besonderen Andachten wie im persönlichen Gebet Ausdruck. Die Schöpfung, im Frühling so zart und prächtig zugleich, hilft uns dabei, das Herz zu derjenigen zu erheben, die wir als die schönste Blüte der Erde bezeichnen dürfen. In einer Marienbetrachtung hat denn auch der selige John Henry Kardinal Newman auf die innere Beziehung zwischen der seligen Jungfrau und der erblühenden Schöpfung hingewiesen. Doch bleibt der grosse Theologe nicht bei derartigen Anmutungen stehen, sondern nennt auch weitere Motive dafür, weshalb der Monat Mai uns Marienmonat ist:

«Ein weiterer Grund, warum dieser Monat der allerseligsten Jungfrau geweiht wurde, ist der, dass der freudigste und an feierlichen Festen reichste Teil des Kirchenjahres in diesen Monat fällt. Wer möchte wünschen, dass der Februar, März oder April, die Zeit des Fastens und der Busse, oder der Dezember, die Zeit des Adventes – zwar der Hoffnung, aber auch der Einkehr und Reue – als Marienmonat erwählt worden wäre? Weihnachten selbst dauert keinen Monat, und obwohl der Januar das Hochfest der Epiphanie mit den folgenden Sonntagen bringt, so ist die Zeit durch das frühe Eintreten der Vorfasten (Septuagesima) doch meist recht kurz bemessen.

Der Mai aber gehört zur Osterzeit, die 50 Tage währt, und so umfasst dieser Monat gewöhnlich ganz oder doch sicher die erste Hälfte dieser Gnadenzeit. Die Hochfeste der Himmelfahrt und der Geistsendung haben fast immer, mit ein oder zwei Ausnahmen in 40 Jahren, ihren Platz im Maimonat und ebenso die Feste der Heiligsten Dreifaltigkeit und des Allerheiligsten Sakramentes. Darum wird im Monat Mai so oft das Alleluja gesungen, dass man ihn die Zeit der Allelujas nennen könnte, weil der Herr aus dem Grabe hervorgegangen und zum Himmel aufgestiegen ist, um uns an seiner Stelle den Heiligen Geist zu senden.