Von Dr. phil. Martha von Jesensky

Der indische Philosoph Jiduu Krishnamutri (1895-1986) lehrt:

«Das Denken hat eine Kontinuität, die auf Wissen basiert, das wiederum die Vergangenheit repräsentiert. Diese Vergangenheit ist ständig aktiv, verändert sich in der Gegenwart und setzt sich fort. In dieser Kontinuität haben wir enorme Sicherheit gefunden – durch Glaubenssysteme, Illusionen, Wissen. Dieser Glaube gibt uns ein Gefühl von ‹Beschütztsein›, so als befänden wir uns im ‹Schosse Gottes›. Das ist eine Illusion» (vgl. Pupul Jayakar, 2003, S. 383).

Nun, wie für Krishnamurti der Glaube eine «Illusion» ist, so ist er für Atheisten auch. Nichtsdestotrotz wird von vielen Menschen eine Art von Spiritualität gesucht, die ihnen Halt gibt und Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod. In Deutschland interessieren sich zum Beispiel mehr als 70 Prozent Frauen und mehr als 50 Prozent Männer für spirituelle Themen und Fragen, praktizieren «Spiritualität» und glauben an ein «höheres Wesen». Spiritualität ist dabei ein Begriff, der oft mit Esoterik in Verbindung gebracht wird. Das heisst, die Suchenden meinen damit sowohl den «göttlichen» als auch den irdischen Ursprung ihrer Existenz; speziell ihre Verbundenheit mit der Natur und dem Göttlichen, etwa wie bei Allah, JHWH, Tao, Brahman, Prajna, All-Eines unter anderem (vgl. Barbara Strohschein, 2015, S. 285).

Aber – wie kam Krishnamutri zu der Behauptung, der Gaube sei eine Illusion? Wo liegt die Urquelle dieser Gesinnung, die bis heute zahlreiche Menschen bewässert? Ich denke, man muss sie in den genetischen Anfang der Menschheitsgeschichte suchen – dort, wo die Unordnung des Geistes durch den Virus des Ungehorsams die Harmonie zwischen dem Mensch und seinem Schöpfer zerstört hat. Siehe hierzu Genesis (2,4b–18 und 3,1–7).

Baum des Lebens

«Gott, der Herr, liess aus dem Ackerboden allerlei Bäume wachsen, verlockend anzusehen und mit köstlichen Früchten, in der Mitte des Gartens aber den Baum des Lebens und den Baum der Erkenntnis von Gut und Böse … Dann gebot Gott, der Herr, dem Menschen: Von allen Bäumen des Gartens darfst du essen, doch vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse darfst du nicht essen; denn sobald du davon isst, wirst du sterben.

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