Von Pfr. Dr. Eugen Daigeler

Das Sichtbare übt eine grosse Anziehungskraft aus. Dem, was wir sehen und anfassen können, geben wir meist das grössere Vertrauen. Dabei ist diese Sicherheit nicht erst seit es ungezählte technische Möglichkeiten gibt, Fotos zu bearbeiten, gar nicht so «sicher», wie wir oft meinen. Auch unsere Sinne können trügen, auch in der sinnlichen Wahrnehmung der Welt geht es nicht ohne das Vertrauen, dass der andere es ehrlich mit mir meint. Es geht nicht ohne die Wahrhaftigkeit, dass sich die Dinge im rechten Licht und in ehrlicher Absicht zeigen bzw. mir gezeigt werden.

Der Sonntag am Ende der Osteroktav, auch «Weisser Sonntag» genannt, wirft die Frage auf nach der rechten Wahrnehmung der Welt. Das Evangelium (Joh 20,19–31) stellt die These auf: Das Nicht-Sichtbare steht dem Sichtbaren in nichts nach, was dessen Wirklichkeit betrifft. «Selig sind, die nicht sehen und doch glauben». Noch glücklicher sind die, die nicht sehen und doch vertrauen, sagt der Herr zum Apostel Thomas, der bei der ersten leibhaften Begegnung der Elf mit dem Auferstandenen nicht zugegen gewesen war. Der Apostel Petrus spricht an anderer Stelle vom Jubel, von der Freude der Glaubenden, weil sie Gott lieben, ohne ihn gesehen zu haben oder zu sehen. Denn sie verstehen die Welt und das Leben nicht nur von der Gegenwart, sondern von ihrem Ursprung und Ziel her.

Von der Ewigkeit Gottes her sehen glaubende Menschen die Welt in einem neuen Licht, sie «durchschauen» sie. In vordergründig alltäglichen Begebenheiten entdecken sie kleine Zeichen der Güte Gottes. In der grossen Gabe der Schöpfung und des menschlichen Lebens erkennen sie die Weisheit des Schöpfers. In Gestalten von Brot und Wein beten sie die Gegenwart Christi an, im dem Gott selbst sich zu erkennen gegeben und uns den Weg gewiesen hat.

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