Von Pfr. Dr. Johannes Holdt

Für manche ist es vielleicht der Vater, in dem sie sich wiedererkennen. Der muss hinnehmen, dass sein jüngster Sohn ihn verlässt, ihm den Rücken zukehrt, nichts mehr von ihm wissen will, alle Verbindungen kappt. Und der Vater kann nichts tun. Er kann nur warten, sich sorgen, hoffen. Wie vielen Eltern geht es heute so mit «verlorenen Söhnen und Töchtern»?

Der ältere Sohn: Sein Leben lang hat er seine Pflicht erfüllt, gearbeitet, sich keine Eskapaden geleistet: Viele können sich vielleicht am meisten mit ihm identifizieren und auch mit seinem Ärger: Der Bruder führt ein Lotterleben, doch kaum taucht er wieder auf, veranstaltet der Vater ein Freudenfest. Ist das nicht ungerecht?

Ob sich auch jemand in dem verlorenen Sohn wiedererkennen kann? Dass er sagen kann: Ich war auch schon so, dass ich meinte, aus allem ausbrechen zu müssen. Ich hab mich auch schon davongemacht, allem den Rücken gekehrt – dabei vielleicht manchen verletzt – ich war auch schon sehr fern von Gott … Und vielleicht hat jemand auch schon, wie der verlorene Sohn, so einen Absturz erlebt, wo es ganz nach unten ging. Aber im Nachhinein kann ich sagen: Diese Krise, dieser Zusammenbruch war nötig, damit mir die Augen aufgingen, damit ich mich verändern konnte, meinem Leben endlich eine neue Richtung geben konnte.

Man hat das Gleichnis vom verlorenen Sohn schon «das Evangelium im Evangelium » genannt: die erzählerische Verdichtung der Heilsbotschaft. Der Vater steht für Gott. Jesus sagt uns: «Gott ist unser aller himmlischer Vater. Und wir sind seine Kinder, seine geliebten Söhne und Töchter. – Du bist mein geliebtes Kind, du bist immer bei mir, und alles, was mein ist, ist dein», das sagt Gott jedem von uns zu. Und diese Gewissheit darf die Basis und die Mitte unseres ganzen Lebens sein. Gott will, dass ich bei ihm daheim bin, in seinem Vaterhaus geborgen bin.

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