Von Pfr. Dr. Eugen Daigeler

Gedanken zum Beginn der Fastenzeit

«Bedenke, Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehrst». Mit diesen drastischen, ja harten Worten beginnen wir die 40-tägige Fastenzeit. Die Worte begleiten und deuten ein nicht weniger starkes Zeichen: Asche wird uns aufs Haupt gestreut. Seit der Antike ist das ein Zeichen, wie glaubende Menschen die eigene Begrenztheit anerkennen, wie sie darangehen, Busse und Reue in sich zu wecken.

Das Aschenkreuz am Beginn der Fastenzeit ermuntert uns, unsere Schwächen und Grenzen, unsere Sünden und sogar unsere Sterblichkeit anzuerkennen und einzugestehen. Das zu können, zeichnet einen reifen Menschen aus. In unseren Tagen, die medizinisch, wissenschaftlich oder technisch all diese Grenzen überschreiten zu können meinen, wird uns das Gegenteil vorgegaukelt. Der gesunde Mensch, der starke, fehlerfreie (oder seine Fehler geschickt verbergende) und überlegene Mensch sei das Ideal, heisst es. «Begrenztheit» oder «Sünden» – ist das also nur etwas für Schwächlinge oder Rückständige?

Wir sehen, menschliche Grösse allein reicht nicht aus, um Begrenztheit oder eigene Sünden benennen zu können. Es braucht dazu den Glauben, den Glauben an Gott, genauer den christlichen Glauben, der uns eröffnet: Gott selbst ist in seinem Sohn Jesus hineingegangen in die Zerbrechlichkeit und Begrenztheit des menschlichen Lebens – bis zur letzten Konsequenz des bitteren Todes am Kreuz. Doch gerade so hat er die Grenzen des Todes und die Ketten der Sünden gesprengt.

Jesus hat sich freiwillig aus Liebe der zerstörerischen Logik der Sünde unterworfen und hat sie so gleichsam von innen her aufgesprengt. Die Logik der Sünde ist immer, auch wenn dies heute weithin (manchmal bis in die Kirche hinein) geleugnet wird, das Zerstören; die Logik der Sünde ist die Lüge, ist letztlich der Tod. Denn die Sünde fixiert uns auf uns selbst, allein meine Bedürfnisse und Wünsche macht sie zum Massstab. So «sondert» sie mich ab, wie es bereits der Wortursprung des Begriffs «Sünde» zeigt. Sie sondert mich ab von Gott und seinem Willen, vom Nächsten und dessen Bedürfnissen.

Den vollständigen Artikel können Sie als Abonnent des SKS lesen.