Von Pfarrvikar Otfried Schubert

Dies berichtet uns der hl. Evangelist Lukas von der Prophetin Hanna. Sie lebte mit ihren 84 Jahren im Tempel und diente Gott Tag und Nacht mit Fasten und Beten. Hanna übte die Loslösung vom Weltlichen, Vergänglichen und wendete sich dem Ewigen zu: Gott. Sie erkannte den Herrn Jesus Christus, als er in seinen Tempel kam.

Warum aber betont Lukas, dass sie vom Herrn nur zu denen sprach, «die auf die Erlösung Jerusalems warteten»? Weil nur sie fähig sind, ihre Worte zu verstehen. Menschen, die satt sind, die mit dem Materiellen, Vergänglichen zufrieden sind, die sich von dieser Welt alles Glück erwarten, werden die Botschaft des Herrn nicht verstehen, ja nicht einmal hören. Menschen, die nicht auf Erlösung warten, die meinen, keine Erlösung zu brauchen, wollen auch vom Erlöser nichts hören.

Selbstgenügsamkeit und materielle Sicherheit

Kennen wir nicht viele solcher Menschen? Sind wir selbst nicht oft solche Menschen? Menschen, für die materielle Sicherheit alles und körperliche Gesundheit das Wichtigste ist? Menschen, die sich für «ganz in Ordnung» halten und für die es eine Zumutung ist, wenn wir am Beginn der hl. Messe beten: «Ich bekenne, dass ich gesündigt habe.» Der Herr spricht von solchen Menschen in den Gleichnissen.

Da schildert er den Mann, der eine gute Ernte eingebracht hat und nun mit sich und der Welt zufrieden ist, nicht aber bedenkt, dass er einmal – «noch in dieser Nacht» – vor seinem Schöpfer stehen wird (Lk 12,16–21). Ein andermal erzählt der Herr vom Pharisäer, der in seinem Gebet Gott seine guten Taten vorrechnet und sich erhebt über die Sünder. Solches Gebet findet keine Erhörung und keine Rechtfertigung. Dagegen stellt uns Christus das Vorbild des Zöllners vor, der demütig betet: «Gott sei mir Sünder gnädig!». Nach solchem Gebet kann er gerechtfertigt nach Hause gehen (Lk 18,9–14).

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