Erwin Auf der Maur, Schaffhausen – Die Medien klagen gerne die Missbrauchsfälle des kirchlichen Personals an. Gewiss sind da himmelschreiende Verfehlungen anzuprangern. Wie konnte es soweit kommen? In der katholischen Kirche gibt es nach wie vor das Busssakrament. Wenige benützen es. Unsere Päpste wären zwar gute Beispiele. Von ihnen weiss man, dass sie diese Gnadenhilfen bis zu dreimal monatlich benützen. Wie steht es da bei unseren Bischöfen, Priestern und Ordensleuten aus? Zur Vorbereitung zu diesem hl. Sakrament stellt uns die Kirche den sogenannten «Beichtspiegel» zur Verfügung. Im Kirchengesang- und Gebetbuch Laurate von 1952 gibt uns Bischof Franziskus von Streng unter dem 6. Gebot zu bedenken: «Habe ich nicht schamhaft gedacht, geredet, berührt usw.?». Die schweizerischen Bischöfe geben im gleichen Kapitel 1966 zu überdenken: «War ich nicht schamhaft im Denken, Sehen, Reden? Lese ich friedvolle Bücher und Magazine? Habe ich Unkeusches getan auch mit andern?». Das katholische Gesangbuch, herausgegeben im Auftrag der Schweizer Bischofskonferenz von 1998 benennt es ziemlich abgeschwächt: “Wie sehen meine Beziehungen aus? Habe ich andere geschädigt, ihnen etwas kaputtgemacht? Bestimmtes Verhalten darf nicht mehr klar benannt werden. Unsere kirchlichen Oberen müssten ihre Mitarbeiter beaufsichtigen, ob sie denn den Forderungen ihres Glaubens genügen. Aber da kämen sie wohl dem Datenschützer ins Gehege. Würden wir alle die Hl. Beichte regelmässig benützen und unser Gewissen fortlaufend befragen, gäbe es kaum noch diese scheusslichen Missbrauchsfälle.