Von Dr. phil. Martha von Jesensky

Bei Sorge und Gefahr ist unser Hirn darauf programmiert, das Störende zu erkennen, um Abwehrmassnahmen zu treffen. In diesen Momenten fokussiert sich unsere Aufmerksamkeit auf neue Wege und Ziele. Das kann sehr belastend sein. Es drückt auf die Stimmung, manche Menschen geraten in eine psychische Lähmung.

Nach dem bekannten Philosophen Martin Heidegger (geb. 1889) ist die «Sorge» immer eine Sorge um das Zukünftige. Sie ist bei jedem Menschen apriori, das heisst, grundsätzlich vorhanden. In der Auslegung seines In-der-Welt- Seins-Gedankenguts geht er von der alltäglichen Situation des Menschen aus. Dieser ist zumeist nicht bei sich selbst, sondern das, was man ist – etwa durch Beruf, gesellschaftlichen Status oder Ähnliches. Er ist also an das «man» ausgeliefert. Doch seine Aufgabe ist es, so Heidegger, aus dieser Verstrickung durch Selbsterfahrung herauszufinden. An göttliche Hilfe glaubte der Philosoph nicht. Für sich selbst wählte er den Weg in esoterische Kreise. Dort konnte er Zeugnis von seinem Denken ablegen.

Eine ebenso bekannte Persönlichkeit ging einen anderen Weg; zwar auch durch Selbsterfahrung, nur mit dem Unterschied, dass sie zu einer höheren Sinnfindung fand.

Erinnerung an ein historisches Ereignis

Am 30. Januar 1649 wurde König Karl I. wegen Hochverrats auf dem Schafott hingerichtet. England wurde zur Republik. Sein Sohn, der junge Thronfolger, Karl II. hatte die Hinrichtung seines Vaters, des Königs von England, mit ansehen müssen. Der Tod des Königs bedeutete das Ende der Monarchie. Doch die Schotten erklärten sich bereit, den 19-jährigen Thronfolger zu ihrem König zu machen (1651). Karl II. konnte aber sein Königtum nicht antreten – der Bürgerkrieg brach aus und er musste vor Oliver Cromwells (Lordprotektor von England) Truppen fliehen. Karls Ziel war es, mit einem Schiff nach Frankreich zu gelangen. Cromwell setzte auf seinen Kopf 1’000 Pfund aus, damals ein Vermögen. Karl wusste, was ihn erwarten würde: Diejenigen, die seinen Vater aufs Schafott geführt hatten, würden nicht zögern, auch den potentziellen Thronfolger zu töten. Trotz dieser grossen Summe, konnte Karl während seiner gesamten Flucht auf die Hilfe einer bestimmten Bevölkerungsgruppe zählen; der KATHOLIKEN, obwohl er selbst reformiert war. Einer der Helfer des Königs war der allgegenwärtige Chronist dieser Epoche, Samuel Pepys. Ihm berichtete der König über seine Stresssituationen und Demütigungen, die er während seiner 43 Tage inkognito durch sein eigenes Land auf der Flucht erleben musste. Karls Lage war sehr prekär. Cromwell wusste, dass er den Thronfolger unbedingt zu fassen bekommen musste: tot oder lebendig.