Von Pfr. Stephan Müller

Die Heiligen Drei Könige und ihre Rivalen – was sie uns sagen können

Die Evangelien sind keine Märchen. Auch an Dreikönig werden im Fest-Evangelium historische Personen genannt. «Es kamen Weise aus dem Osten nach Jerusalem.» Mit der Ankunft der Weisen aus dem Morgenland wird in Jerusalem das Ereignis von Bethlehem bekannt. Die Heiligen Drei Könige geraten in Jerusalem in unangenehme Gesellschaft, sie erhalten Rivalen. Es lohnt sich, auf die Personen zu schauen, die in das Dreikönigsereignis verwickelt werden. Was können uns ihre Haltungen sagen?

1 Das Evangelium erwähnt zuerst König Herodes. Gemeint ist Herodes I.. Er regierte über ganz Palästina von 37-4 v. Chr. Drei oder vier Jahre vor seinem Tod wurde Christus geboren. Die christliche Zeitrechnung setzt erst später an. Palästina war damals Römische Provinz. Herodes I. hat es gut mit den Römern verstanden, so liess man ihn selbstständig regieren. Herodes entwickelte eine ungeheure Bautätigkeit; heute noch sind viele Ruinen zu sehen. Am sogenannten «Zweiten Tempel» liess Herodes bauen, dann in Jerusalem, die Stadt Cäsarea Maritima, Paläste im ganzen Land; er war grössenwahnsinnig. Wegen seiner äusseren Leistungen hat man ihm den Beinamen «der Grosse» gegeben. In Wirklichkeit übte Herodes eine grausame Tyrannenherrschaft aus. Den Grossteil seiner Familie liess er hinrichten, auch seine Ehefrau. Die Juden haben seine Herrschaft nur mit Murren ertragen. Als Herodes von der Geburt eines «Königs der Juden» hörte, «erschrak er», er bangte um seinen Thron und liess den Kindermord von Bethlehem durchführen. Über Herodes kann man sagen: Er war ein skrupelloser Machtmensch, innerlich voll Falschheit, verschlagen, ein Ich-Mensch, der seine Seele im Streben nach Macht, Besitz und Geltungsdrang erstickte. Seine Seele war unfähig geworden, das Licht Gottes aufzunehmen. Ein für das Seelenheil sehr ernster Zustand.

2 Dann erwähnt das Evangelium allgemein die Einwohner von ganz Jerusalem, die mit Herodes erschraken, wie es heisst. «Ganz Jerusalem», das sind sozusagen «die Leute», die anonyme Gesellschaft, Mitschwimmer, jene, die keinen Standpunkt und keine Meinung haben. Diese Menschen geniessen vielleicht den Wohlstand, der durch die wirtschaftliche Tätigkeit des Herodes aufblühte. Sie erschrecken beim Gedanken, dass da ein anderer König kommt, der mit ihrem angenehmen Leben nicht einverstanden sein könnte, der ihren Scheinfrieden stören könnte …