Von Pfr. Dr. Johannes Holdt

Wir feiern die Geburt Christi. Und wir feiern damit das wichtigste Ereignis der Menschheitsgeschichte. Die Zeitrechnung der Menschheit beruht auf diesem Datum: Wir zählen die Jahre vor und nach Christi Geburt. Und das tun alle Menschen – ob gläubig oder nicht. Auch diejenigen, die nichts mit Weihnachten anfangen können, die heute nicht an Gott und an Jesus denken, auch sie alle werden in einer Woche in einem neuen Jahr des Herrn leben – im Jahr 2019 nach Christi Geburt – und wenn sie dann diesen Jahreswechsel an Silvester vielleicht mit rauschenden Partys feiern, dann wissen die meisten gar nicht, was sie da eigentlich feiern …

Die Geburt Christi ist die Achse der allgemeinen Zeitrechnung, der Mittelpunkt der ganzen Geschichte. – WARUM? Weil vor über 2’000 Jahren, in dieser Heiligen Nacht von Bethlehem, Gott, der Schöpfer, der Herr des Himmels und der Erde, in die Geschichte eingegriffen hat; weil Gott einen neuen Anfang in der Geschichte gesetzt hat. Bis dahin war sie eine trostlose Tragödie – ohne Sinn, ohne Hoffnung, voller Blut und Tränen. Jesaja lässt das in der Lesung anklingen: «Das Volk, das im Dunkel lebt, sieht ein helles Licht… Du zerbrichst das drückende Joch, das Tragholz auf unserer Schulter und den Stock des Treibers. Jeder Stiefel, der dröhnend daherstampft, jeder Mantel, der mit Blut befleckt ist, wird ein Raub der Flammen» (Jes 9, 1-4). Das haben die Menschen aus der Welt gemacht. Aber jetzt greift Gott ein. Er kommt zur Welt, im wahrsten Sinn des Wortes. In Jesus kommt Gott auf die Welt, wird selber Mensch, um von innen her, von der Wurzel her die Menschheit zu heilen. Es ist klar: Wenn Gott, der Herr, das tut, wenn er selber in die Menschheitsfamilie eintritt, dann muss dies das Schlüsselereignis, der Wendepunkt, die Schicksalsstunde der Geschichte sein – und mit Recht die Achse der Zeiten.

Gott kommt zur Welt

Das ist das eine, das ist das erste Geheimnis der Heiligen Nacht, das Wunder von Weihnachten. Aber nun schliesst sich noch ein zweites Geheimnis an. Wenn wir schauen, wie Gott zur Welt kommt. Kommt er in Glanz und Gloria, in Macht und Herrlichkeit, sodass alle es sehen und es zur Kenntnis nehmen und vor Gottes Sohn in die Knie gehen? Nein, Gott kommt ganz anders. Er kommt in der Stille der Nacht, an einem entlegenen Ort, draussen vor den Toren der Stadt, als kleines Kind, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegend. Das ist das Zeichen der Ankunft Gottes auf Erden: Das Jesuskind im Stall von Bethlehem. Dahin schicken die Engel die Hirten, zu diesem Kind in der Krippe: «Das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden» (Lk 2,12). Mehr gibt es nicht zu sehen in dieser Heiligen Nacht, keine Sensation, kein Spektakel, nur das neugeborene Kind in der Krippe, umgeben von Maria und Josef. Und die Hirten eilen hin, sehen das und glauben: Ja, das ist der Erlöser! Gott ist zu uns gekommen, hat sich unser erbarmt. Und es heisst dann: «Und die Hirten rühmten Gott und priesen ihn für das, was sie gehört und gesehen hatten» (Lk 2,20).

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