Von Dr. Martha von Jesensky

In Korinth wendet sich Paulus nicht mehr wie in Athen an die Philosophen und Gelehrten, sondern, um es mit Karl Marx zu sagen, an das Proletariat, ja, sogar an das «Lumpenproletariat ». Das sind einfache Hafenarbeiter, Handwerker, Sklaven und die Bevölkerung Korinths, die im Ruf der Sittenlosigkeit stand. Korinth war die Stadt der Göttin Aphrodite. Doch ausgerechnet inmitten dieses korinthischen Proletariats erweckte Paulus eine seiner schönsten Gemeinden. Der Grund: Die Leute haben den Worten Paulus geglaubt.

Paulus: «Seht doch eure Berufung, Brüder! … Nicht viele Weise, nicht viele Mächtige, nicht viele von edler Herkunft, sondern was töricht ist in der Welt, das hat Gott auserkoren, um das Starke zu beschämen; … damit kein Fleisch sich rühme vor Gott». (1. Kor.)

Aber an wen setzten die Gelehrten, die Philosophen, die Mächtigen und die Edlen der damaligen Welt (und oft bis heute!) ihr Vertrauen? Der heilige Ludwig Maria-Grignion (1673-1716) kennt die Antwort:

«Mögen unter den Menschenkindern die einen das Glück von ihren Reichtümern erwarten, andere von ihren Talenten, mögen andere auf die Unschuld ihres Lebens oder auf die Strengheit ihrer Busse vertrauen, oder auf ihre Andacht beim Gebete, oder auf die grosse Zahl ihrer guten Werke. Was mich armer Sünder betrifft, der ich nichts besitze, als ein wenig Liebe, so will ich mich nächst Gott dir allein überlassen …»

Es geht also um Gottvertrauen. Gottvertrauen ist ein Prozess. Es übersteigt unsere Erfahrung. Beispiel: Ich lerne jemanden kennen und aus verschiedenen Gründen entsteht in mir ein Bild (Meinung) über sein Wesen und seine Gesinnung. In dem Augenblick, da ich sage, «Ich vertraue dir», prüfe nicht mehr seine einzelnen Äusserungen, sondern umgekehrt, sehe von nun an alles im Lichte meiner von mir erkannten Grundzüge seines Wesens. Doch ich könnte mich täuschen oder enttäuscht werden.

Einem Menschen gegenüber kann immer eine Situation entstehen, wo wir auf Grund mehrerer oder eines eindeutigen Symptomes zum Schluss kommen, dass der Andere seine Gesinnung geändert hat und nicht mehr mit unserer übereinstimmt. Er ist berichtigt dazu. Denn jeder Mensch kann sich verändern, er kann fallen, seine Liebe kann aufhören.

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