Dr. phil. Martha von Jesensky

Eine schwere Sünde (lat. peccatum mortale) begeht, wer in einer wichtigen Sache ein Gebot Gottes oder die Vorschriften der Kirche mit Wissen und Willen übertritt. Man kann sündigen durch böse Gedanken, Worte und Handlungen. Doch nicht alle Sünden sind gleich schlimm. Jemand begeht eine lässliche Sünde, der ein Gebot Gottes entweder in einer geringen Sache oder nicht ganz freiwillig übertritt. Katholiken, die regelmässig zur Beichte gehen, wissen hier zu unterscheiden.

Woher weiss man, was gut und was böse ist? Das sagt das Gewissen. Das Gewissen ist fähig, die göttliche Ordnung (z. B. was gerecht ist) zu erkennen, doch es funktioniert nicht bei allen Menschen gleich gut. Wenn man sich daran gewöhnt, gegen besseres Wissen und Gewissen zu handeln – indem man die Stimme des Gewissens verdrängt – wird diese Stimme immer leiser, die Tür zum Laster öffnet sich. Auch bei gläubigen Menschen. Denken wir nur an die Missbrauchsfälle in der Kirche, in der Familie oder anderswo.

Wie können sich da noch gute Charaktereigenschaften (Tugenden) entfalten oder Glaubensinhalte sich verinnerlichen?

Reflexartiges Sündigen

Aus der Gewöhnung entstehen oft reflexartige Reaktionen, wie das Schalten der Gänge beim Autofahren, so auch die lässlichen, beziehungsweise Alltagssünden, etwa Ungeduld, Unachtsamkeit, Ignoranz, kleine Lügen und trotziges Verhalten.