Von P. Bernward Deneke

Manche Erlebnisse vergisst man einfach nicht. Eines hat sich mir sehr eingeprägt, weil es mit Schrecken und Dankbarkeit verbunden war und mir ausserdem ein lebendigeres Verständnis altbekannter Gebetsworte geschenkt hat. Ich fuhr damals mit einem Bekannten auf einem sehr befahrenen Abschnitt der deutschen Autobahn, und das, weil keine Tempobeschränkung bestand, mit recht hoher Geschwindigkeit. Dabei beteten wir den Rosenkranz. Als wir gerade die Worte «jetzt und in der Stunde unseres Todes» sprachen, flammten plötzlich vor uns die roten Leuchten auf. Ein völlig unerwarteter Stau! Ich stieg mit Wucht auf die Bremse und brachte den Wagen nach erheblichem Bremsweg zum Stillstand. Nur wenige Zentimeter trennten ihn von dem Auto vor uns, beinahe wäre es zum Zusammenstoss gekommen. Mitten im Leben sind wir vom Tod umgeben …

Verharmloste Todesstunde

Seit einigen Jahrzehnten sind in unseren Kirchen die Predigten über das Letzte Stündlein verstummt. Von derartiger «Angstmacherei» will man nicht mehr viel wissen. Man vermutet dahinter auch ein falsches Gottesbild: Was wäre das für ein Vater, der das endgültige Heil oder Unheil Seiner Kinder von dem Zustand abhängig macht, in dem sie sich an ihrem Lebensende befinden? Also schliesst man sich lieber beschwichtigenden Theorien an. Z.B. jener von der «Endentscheidung», die besagt, dass sich alles erst nach dem Tod entscheidet. Dann erst ziehe der Mensch vor Gott die Summe aus seinem Leben und liefere sich entweder zu seinem Heil dem Erbarmen aus, oder er verweigere sich ihm und stürze sich in den Abgrund des Unheils. (Frage: Wer wird schon so dumm sein, das zu tun?) Noch glatter geht die Lehre von der All-Erlösung auf. Je nach Stärkegrad legt sie die Hoffnung darauf nahe, dass alle Menschen gerettet werden und die Hölle leer ist, oder sie behauptet das sogar mit felsenfester Gewissheit.