Von Pfr. Dr. Eugen Daigeler

In dem unbedeutenden Städtchen Lourdes erschien 1858 die Heilige Jungfrau einem jungen Mädchen namens Bernadette. Nach ihrem Namen gefragt, offenbarte sich die Erscheinung dem Mädchen Bernadette als die «Unbefleckte Empfängnis». Nicht dass Bernadette verstanden hätte, was dieser theologische Ausdruck bedeutet, den der selige Papst Pius IX. vier Jahre zuvor dogmatisiert hatte, dennoch glaubt sie – allen Anfeindungen zum Trotz.

Sie vertraut, dass der Himmel nicht verschlossen ist, sondern für alle, die glauben, offensteht. Diese Erscheinungen fallen mitten ins 19. Jahrhundert; durch die Aufklärung und den technischen Fortschritt hatten viele Menschen den Glauben verloren. Eine massenhafte Abkehr von Gott hatte eingesetzt, an deren langfristigen Folgen wir bis heute schwer zu tragen haben. Gott, wenn es ihn denn überhaupt geben sollte, wurde bestenfalls als ein über der Welt schwebendes Wesen geduldet. Er hätte das «grosse Uhrwerk» vielleicht einmal in Gang gesetzt, aber in der konkreten Welt wirke er nicht, so eine sich ausbreitende Meinung.

Dem entgegen steht die Glaubenswahrheit der Unbefleckten Empfängnis Mariens. Sie stellt heraus, dass Gott im Leben ganz konkreter Menschen wirkt, dass er inmitten der Welt Wunder wirkt, wie wir es am deutlichsten an Maria sehen.

Neun Monate vor Mariä Geburt (8. September) feiert die Kirche das Fest ihrer Unbefleckten Empfängnis (8. Dezember). Maria ist vom ersten Augenblick ihres Daseins an im Schoss ihrer Mutter Anna erwählt; sie ist erwählt, ganz offen und empfänglich zu sein für Gottes Ruf. Weil keine Sünde den Weg verstellt, kann sie die Mutter des Heilands werden, der gekommen ist, am Kreuz die Sünde der Welt aufzuheben. Das ist der theologische Kern dieses Festtags der Unbefleckten Empfängnis Mariens.

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