Von Dr. phil. Martha v. Jesensky

Was haben der heilige Bernhard von Clairvaux und Reinold Messner gemeinsam?

Die Journalisten Lisa Feldmann und Andreas Lebert haben den bekannten Bergsteiger Reinhold Messner (74) interviewt. Messner gilt als extrem stur. Was er sich in den Kopf gesetzt hat, macht er auch – mit vollem Einsatz, nicht nur im Gebirge. Ähnliches gilt auch vom heiligen Bernhard von Clairvaux (1090–1153). Beide haben einen Weg zum Glück gesucht – nur mit unterschiedlichem Ziel.

Viele Ratschläge aus dem klassischen Zeitmanagement, wie: «Schreib eine To-do-Liste, leg deine Prioritäten fest und arbeite sie konsequent ab», sind veraltet, weil sie einseitig auf Disziplin setzen und nicht mehr zu unserem Alltag passen, so die Selbstmanagementexpertin Cordula Nussbaum («Psychologie Heute», 06/2017).

Das alles hat schon der heilige Bernhard von Clairvaux (1090 –1153) gewusst. In einer seiner Predigten wird der Abt sehr persönlich. Er klagt: «Wir werden weggerufen, um uns etwas anderem zu widmen, das nicht wert ist, unser Thema zu verdrängen. Von allen Seiten diese Bedrängnis! Ich weiss gar nicht mehr recht, worunter ich mehr leide: dass ich von diesem hier weggerissen oder dass ich von jenem zerrissen werde… Ich tue nicht, was ich will, sondern was ich hasse» (Cant. 76,10).

Und bei der Besprechung des Hoheliedverses «Stört die Geliebte nicht, bis sie selbst es will» (2,7), redet er Klartext: «Hier sitzen einige, die etwas aufmerksamer bei der Behandlung dieses Abschnitts zuhören sollen. Dann würde ihnen deutlich, dass man seinen Vorgesetzten nicht grundlos belästigen sollte, und sie würden endlich anfangen, mich ein bisschen mehr als bisher zu schonen… sich mir nicht so unverschämt und leichtfertig aufdrängen, wenn ich einmal einen freien Augenblick habe» (Cant 42,7).

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