Von P. Bernward Deneke

Ein Zisterziensermönch, so erzählt eine Legendensammlung des 13. Jahrhunderts, drückte seine Liebe zur Gottesmutter aus, indem er oft dreimal 50 Ave Maria hintereinander betete. Diese seien als Rosen aus seinem Mund hervorgegangen und dann als Kranz von weissen, roten und goldenen Rosen auf dem Haupt Mariens erschienen.

Man darf davon ausgehen, dass der Name «Rosenkranz» in solchen Überlieferungen seinen Ursprung hat. Für uns sind sie eher in den Hintergrund getreten. Wenn wir heute vom «Rosenkranz » sprechen, so denken wir wohl zuerst an das Gebet, dann an die Perlenkette und zuletzt erst, wenn es der Zusammenhang nahelegt, an einen Kranz aus wirklichen Rosen.

Wäre es da nicht passend, der Sache einen anderen Namen zu geben? «Ave-Kette» scheint doch viel passender als «Rosenkranz» zu sein. Aber die Gläubigen würden eine solche Umbenennung nicht akzeptieren. Für sie bleibt der Rosenkranz der Rosenkranz, und damit basta. Und weshalb das? Aus Sturheit und dem trägen Unvermögen, Gewohnheiten zu ändern? Oder doch aus tieferen Gründen? Hat sich der Name «Rosenkranz» vielleicht deshalb erhalten, weil er in einer Weise zu uns spricht, die eine alternative Titulierung nie erreichen könnte?

Die uralte Symbolik der Rose

Werfen wir einen Blick auf das Geschöpf «Rose». Nicht einen naturwissenschaftlichen, botanischen Blick, sondern einen, der die Symbolik der Rose betrachtet. Diese ist schon vor dem christlichen Zeitalter reich. In der griechischen Mythologie wird Folgendes erzählt: Als Adonis, der schöne Geliebte der Aphrodite, von einem Eber getötet wurde, entsprangen aus seinem Blut die ersten roten Rosen. Gewiss, wir glauben nicht an die Existenz eines Adonis und einer Aphrodite. Aber ist es nicht bemerkenswert, dass in dieser uralten Überlieferung die Liebe, die über den blutigen Tod hinaus reicht, mit der Entstehung der Rose in Verbindung gebracht wird?