Das christliche Ehe-Ideal und die Krise der Ehe heute

Von Pfr. Dr. Johannes Holdt

Das Thema, das hier im Evangelium verhandelt wird, die Ehe, spielt in der Verkündigung Jesu eine grosse Rolle. Wiederholt und mit Nachdruck kommt er darauf zu sprechen und hebt sich von den Auffassungen seiner Zeit ab. Vor allem betont er die Unauflöslichkeit der Ehe.

Während im Judentum Scheidungen möglich waren, lehrt Jesus: «Was Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen» (Mk 10,9). In diesem Satz ist vorausgesetzt, dass Gott es ist, der in der Ehe Mann und Frau zusammenschliesst, sodass sie «ein Fleisch werden» (Mk 10,8), also eine neue, organische Einheit bilden. Wenn aber Gott verbunden hat, dann kann auch nur Gott wieder lösen. Die Ehe, die in Gott geschlossene Ehe, ist also weit mehr als nur eine zwischenmenschliche Vereinbarung – eine x-beliebige Partnerschaft oder «Beziehung»; sie beruht auch nicht nur auf einem juristischen Vertrag. Sie ist ein heiliger Bund, eine nicht nur natürliche, sondern übernatürliche Verbindung. Der Apostel Paulus sieht im Ehebund ein Abbild des Bundes zwischen Christus und der Kirche: Wie Christus die Kirche geliebt hat und sich für sie hingegeben hat, so sollen auch Mann und Frau in der Ehe einander lieben – mit einer hingabebereiten, treuen und vor allem vergebenden Liebe. – «Dies ist ein grosses Geheimnis», sagt er, ein «sacramentum magnum» (Eph 5,32). Die christliche Ehe ist ein Sakrament, ein Geheimnis des Glaubens und der Liebe. Sie hat eine hohe Würde und eine hohe Berufung: Die Liebe Christi abzubilden, sichtbar, konkret werden zu lassen in dieser Welt, im Zusammenleben der Eheleute mit ihren Kindern und ihrer Familie.

Wenn wir dieses christliche Ehe-Ideal anschauen, so scheint es weit entfernt zu sein von der Realität der Ehe in unserer Zeit. Die Ehe ist ja in der Krise. Vom «Auslaufmodell» wird (in den Medien) gesprochen; der heutige Mensch könne und wolle sich nicht mehr ein Leben lang binden; er sei bindungsscheu und möchte sich höchstens auf Zeit binden an wechselnde «Lebensabschnittspartner», wenn ihm nicht überhaupt das Single- Dasein das Liebste ist. Ausserdem seien die klassischen Rollen des Ehemanns und der Ehefrau (und Mutter) fragwürdig geworden und würden als «altmodisch» angesehen. Wenn man die Statistiken anschaut, scheint es wirklich so zu sein. Die Zahl der Eheschliessungen geht konstant zurück. Besonders dramatisch ist das bei den kirchlichen Trauungen. Nichteheliches Zusammenleben wird als etwas ganz Normales betrachtet – bis in gut-katholische Kreise hinein. Dann die ernorme Zahl an Scheidungen: Ein Drittel der Ehen wird geschieden, in Grossstädten die Hälfte. Während das juristisch kein (grösseres) Problem ist, bleibt menschlich oft ein Scherbenhaufen zurück, wobei wir auch an die betroffenen Kinder, die Scheidungswaisen denken müssen. Für die wird es besonders schwer, wenn die Eltern neue Beziehungen eingehen, und die Kinder mit neuen Eltern und Geschwistern zusammenleben müssen, in – wie es so schön heisst – «Patchworkfamilien». Der unvergessene Erzbischof Johannes Dyba brachte das so auf den Punkt: «Früher hatten Eltern vier Kinder, heute haben Kinder vier Eltern»…

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2018-10-09T20:43:30+00:00

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