Von Dr. phil. Martha v. Jesensky

Das Rote Kreuz bezeichnet Einsamkeit als die «Epidemie im Verborgenen ». Betroffen sind nicht nur alte Menschen. Letztes Jahr ergab eine europäische Umfrage, dass auch Junge Erwachsene darunter leiden. So gaben 17 Prozent der Befragten zwischen 18 und 29 Jahren an, sich ständig einsam zu fühlen. Der bekannte Psychiater und Hirnforscher Manfred Spitzer sieht hier einen Zusammenhang zwischen TV-Konsum, Talkshows, Realityshows, Castingshows etc., wo es immer nur um eines geht: «besonders sein, der Beste/Schönste/Verrückteste… zu sein und genau damit berühmt zu werden».

Nach ihm fördert das Fernsehen auch den Trend zur Selbstbezogenheit im Sinne der Nachahmung. Auch eine Anfang des Jahres im «American Journal of Preventive Medicine» publizierte Studie an einer für die USA repräsentativen Stichprobe von 1’787 Jungen Erwachsenen ergab einen klaren Zusammenhang zwischen dem Erleben von Einsamkeit und Nutzung von sozialen Online-Netzwerken. (Manfred Spitzer: «Einsamkeit – die unerkannte Krankheit», 2018) Die sozialen Netzwerke (Facebook) bestätigen diesen Trend. Dort wird nämlich Geselligkeit als Erfolg wahrgenommen und wer sich ihren Regeln entzieht, schadet nicht nur sich selbst, sondern auch seinen Freunden – so der Soziologe Janosch Schobin (2018).

Deswegen hat auch die Journalistin Julia Wadhawan, obwohl sie die Einsamkeit liebt (ich bade mich gerne in völliger Stille), ein ungutes Gefühl. Nicht wegen Facebook, sagt sie, sondern weil sie auch auf die Sicherheit und Bestätigung anderer Menschen angewiesen ist. Wadhawan: «Ich bin gerne allein. Nein, ich muss alleine sein, regelmässig. Das hält mich bei Laune, Verstand und bei Gesundheit»…. Denn der Alltag ist eine fortwährende Reaktion auf unsere Umwelt («NZZ», 25. März 2018).

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