Von Dr. phil. Martha v. Jesensky

Der Philologe und Autor des Buches «Das Modell des konsequenten Humanismus» (2013) Hans Widmer (71), schreibt: In 500 Jahren wird die Menschheit entweder aufgeklärt sein – oder nicht sein. Seine Prognose begründet er so: «In der Musik kommt bereits seit einigen Jahrzehnten kaum etwas hinzu, das über die Uraufführung hinaus fortlebt. Im Theater sind alle Provokationen bis zum Gähnen ausprobiert. Alle schönen Fotos von Blumen und Sonnenuntergängen sind geschossen. Abertausende von gescheiten Philosophie- Texten – von denen es zu jedem einen Gegentext gibt – werden als Geistesgeschichte archiviert sein, und was zählen wird, ist die wissenschaftliche Erkenntnis dessen, was ein Mensch ist…. Ein Produkt der Evolution, das radikal über seine Vorfahren hinausgewachsen ist. Und das Radikale daran: seine Vernunft». («NZZ», 21. Juni 2018)

Nun, in solchem pessimistischen Ton reden gewöhnlich Leute, die sich vorwiegend auf die «Produkte» der Vernunft verlassen, gleichzeitig aber spüren, dass ihnen etwas fehlt, was die Vernunft nicht geben kann. Ähnlich argumentiert der Journalist Simon Hehli (geb. 1979) in seinem Artikel über die Zukunft der Kirche: «Dem Katholizismus droht die ewige Ruhe». Die Zeit, als innerkirchliche Ideologiestreitigkeiten die Menschen noch elektrisierten, scheint vorbei zu sein. Besserung ist nicht in Sicht. Die Konkurrenz an spirituellen oder weltlichen Sinnanbietern – von Yoga bis Psychotherapie – nimmt stetig zu. Das geistliche «Produkt» der Kirche (Glaubensvermittlung) hat da einen schweren Stand. Als Gründe nennt er den Ausschluss Wiederverheirateter von der Kommunion und das Verbot von Segnungen von Lesben und Schwulen. Es geht um Gerechtigkeit für Alle. («NZZ», 21. Juni 2018

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