Von Dr. phil. Martha v. Jesensky

Bezugnehmend auf ein intelligentes Wortspiel eines Politikers, sagt Pater Bernward Deneke: «Manche verweigern den Militärdienst aus Gewissensgründen, doch die meisten nur aus gewissen Gründen.» Es geht bei Gewissensbeschwörungen oft gar nicht um das Gewissen, sondern um eine Art Abschirmmanöver. Und weil das Gewissen im Allgemeinen als «Heiligtum der menschlichen Person» anerkannt wird, wagt man gewöhnlich nicht, in ein «Heiligtum» einzubrechen, denn da begeht man ein Sakrileg.

Deneke: Das Gewissen empfängt sogar noch höhere Weihen – man setzt es mit der Stimme Gottes gleich. „Welcher minimal gottesfürchtige Mensch wird sich also erfrechen, die Stimme des Herrn abzuwürgen oder ihr auch nur zu widersprechen? Niemand hat hineinzufunken, wenn er redet. Und so verstehen wir leicht, warum so oft Gewissensgründe herhalten müssen, wo es nur um gewisse Gründe geht (SKS 11, 27. Mai 2018).

Der heilige Bernhard von Clairvaux (1090–1153) mahnt aber, dass der Feind Gottes, der Teufel, kein so wirksames Mittel hat, um die eingepflanzten Gebote Gottes aus dem Herzen der Menschen (wo auch die Stimme Gottes lokalisiert ist) zu drängen, als wenn er sie verführt, die Gebote nicht zu achten.

Seine Taktik ist es, das Zerstörerische mit dem Guten (Göttlichen) zu vermischen. Wie er das macht, zeigt sich an einen der prominentesten Vertreter der Psychologie, C. G. JUNG. Ohne Zweifel ist die «Psychologische Typenlehre» von Jung von grosser Bedeutung, hingegen seine Religionspsychologie, blasphemisch. Für Menschen, denen es nicht gelungen ist, die Glaubensinhalte der katholischen Lehre zu verinnerlichen (es gibt auch Theologen und Priester darunter!) ist sie höchst gefährlich. In meiner Dissertation über dieses Problem zitiere ich unter anderem den Zürcher Theologen Thomas Münch, der selbst ein Opfer dieser Vermischung wurde. Es geht um den zentralen Begriff des «Archetypus» (Urbild), der speziell in den gnostischen und alchimistischen Lehrsystemen und Symboldarstellungen vorkommt, in denen, so Jung, das «gesunde Material» der psychischen Dynamik liegt und woraus der Psychologe den Typus des «Gottesbildes » bei seinen Patienten finden kann. (Siehe hierzu JUNG, 1972 d, Kapitel Erlösungsvorstellungen in der Alchemie ab S. 352ff.)

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