Warum Schamlosigkeit die Seele deformiert

Von Dr. phil. Martha von Jesensky

Scham ist ein Gefühl der Verlegenheit oder Blossstellung. Vielfach entsteht sie durch Verletzung der Intimsphäre, etwa durch unehrenhafte und unanständige Handlungen, die der sozialen Norm oder Erwartungen nicht entsprechen. Schamgefühle sind häufig auch von vegetativen körperlichen Erscheinungen wie Erröten, Herzklopfen (Palpitation), aber auch vom Senken des Blickes, bis zu tiefster Beklommenheit, insbesondere beim Ehrund Achtungsverlust begleitet.

Schamkonflikte und Schamerfahrungen können im kindlichen Sexualleben traumatische Wirkungen hinterlassen, wenn zum Beispiel gesellschaftlich akzeptierte Formen, sittliche Werte und Normen der Sexualität entstehen, bei denen es nichts mehr Anstössiges gibt. Der Grund: Sexuelle Scham ist seit Urbeginn des Lebens genuin in der Seele eingepflanzt – im Gegensatz zu den Tieren. Siehe hierzu Genesis 3,7:

«Da gingen beiden die Augen auf und sie erkannten, dass sie nackt waren. Sie hefteten Feigenblätter zusammen und machten sich einen Schutz». So empfanden Adam und Eva ihr Nacktsein plötzlich als unangemessen.

Psychologen unterscheiden zwischen verinnerlichten (internalisierten) und von aussen kommenden (externalisierten) Schamgefühlen. Während der von aussen kommenden Scham die Annahme zugrunde liegt, dass andere Personen die eigene Person als minderwertig, schwach oder unzulänglich bewerten könnten, steht bei der verinnerlichten Scham die eigene Abwertung von sich selbst im Vordergrund – etwa wegen eines selbstverschuldeten Versagens. (Vgl. auch Gilbert, 1997, 1998)

Ein Beispiel für «vorstufliche» Traumatisierung

Im Frühjahr dieses Jahres fuhr ich in einem Bus Richtung Stein am Rhein. Eine Gruppe Kinder zwischen 7 und 9 Jahren, begleitet von einem Lehrer, befand sich auch im Bus. Sie waren laut und fröhlich. Dann fiel mir auf, wie ein etwa 9-jähriger Knabe den ihm gegenüber sitzenden gleichaltrigen Knaben am Oberschenkel zu streicheln begann und seine Hände die Hände des anderen Kindes berührten, wobei der andere die Zuwendung nur zögernd und mit einem verschämten Lächeln zuzulassen schien. Der Lehrer (oder Erzieher?), der die Szene aus einer Distanz beobachtete, trat zu den beiden, und ermutigte sie, das weiter so zu machen. Ein Knabe neben mir senkte seinen Blick zum Boden und schwieg. Plötzlich begannen die Buben und Mädchen über ihn zu lachen. Der Lehrer nahm ihn nicht in Schutz.

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2018-08-19T23:28:07+00:00

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