Von Prof. Marius Reiser

“Vater, ich habe mich versündigt gegen
den Himmel und vor dir!” (Lukas 15, 21)

Der Satz, mit dem der Verlorene Sohn zu seinem Vater zurückkehrt,
wirkt seltsam: Warum soll er sich in erster Linie “gegen den Himmel”,
d.h. Gott versündigt haben? Muss man den Fehler, den er gemacht hat,
unbedingt “Sünde” nennen? Dieses Wort ist heute unbeliebt und
verpönt, selbst bei Christen. Viele neigen der Ansicht Nietzsches zu,
der die Sünde für eine jüdisch-christliche Erfindung hielt und sich die
pagane Welt ohne Sündengefühle zurückwünschte. Nietzsche wusste,
was die Rede von Sünden bedeutet: dass wir unser Tun und Lassen in
erster Linie nicht vor unseren Mitmenschen zu verantworten haben,
sondern vor Gott. Wenn man also die Vorstellung Gottes los wird,
wird man auch das Sündengefühl los, bis nur noch ein Rest von Furcht
vor Strafen der weltlichen Gerechtigkeit und der Missachtung der Mit-
menschen übrigbleibt. Auch diesen Rest von Furcht, meint Nietzsche,
müsse man loswerden, um das höchste Ziel zu erreichen…

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