Von Dr. phil. Martha von Jesensky 

Im  Piper Verlag erschien vor Kurzem ein Buch der Publizistin und Redakteurin Gina Bucher (Zürich) mit dem Titel: „Der Fehler, der mein Leben veränderte“ (2018). In diesem Buch beschreibt sie die Lebenssituation von Menschen, die eine ganz persönliche Niederlage erlitten haben, deren Leben einen schweren persönlichen Riss bekommen hat, und was sie daraus gemacht haben. Auch ein ehemaliger Bankräuber ist darunter, der sich nach seinem fünften Bankraub   selber der Polizei gestellt hat. Er sagt:

 „Das erste Mal war ich ganz entspannt, da war das auch alles so weit  in Ordnung. Aber ausschlagend war das letzte  Mal der Angestellte dort: Er war so verängstigt, dass er einen Brechanfall bekam…Ich sagte zu ihm: ‚Um Gottes willen, beruhigen Sie sich, ich tue Ihnen doch nichts.‘ Er erzählte mir von seinen Kindern. Da riss mir die Geduld: Behalten Sie Ihr Geld, ich will das alles gar nicht, und  bin  gegangen“. (S. 56) 

Was ihm bei diesem Überfall klar geworden ist,  formuliert er so: „Es gibt im Leben eine Schwelle. Wenn man die   überschreitet, gibt’s nur zwei Möglichkeiten. Entweder man versucht  wiedergutzumachen, was man getan hat  –  auf  irgendeine Weise, und sei es noch so schlimm. Oder aber man geht dabei selber darauf….Ich glaube, wenn eine Sache  wieder einigermassen gut werden soll, dann muss es wehtun und unter die Haut gehen, sonst wird das nichts.“ (S. 58)

Etwas erstaunt mich bei dieser Geschichte. Der Mann war apriori nicht religiös, trotzdem beugte er sich der Macht  seines Gewissens.

In Matthäus (21,12-14) geht es um die Tempelreinigung, wo wir vernehmen: „Jesus ging  in den Tempel und  trieb  alle  Händler und Käufer aus dem Tempel hinaus; er stiess die Tische der Geldwäscher und die Stände der Taubenhändler um und sagte: ‚In der Schrift steht:  Mein Haus soll ein Haus des Gebetes sein. Ihr aber macht daraus eine  Räuberhöhle.‘ “