Herzensanliegen

Von P. Bernward Deneke

Ein Witwer hatte einen schwierigen Sohn. Alle erzieherischen Mittel schienen an ihm ausgeschöpft – ohne den geringsten Erfolg. Selbst härteste Strafen konnten den Jungen nicht zum Gehorsam bewegen. Lieber erduldete er unter Tränen, doch mit trotziger Miene Schläge und Hausarrest, als dass er sich den Weisungen des Vaters untergeordnet hätte. Schliesslich liess sich der Mann dazu bewegen, mit seinem Sohn einen Einsiedler aufzusuchen, der im Ruf grosser Heiligkeit und Weisheit stand. Nachdem er den Widerstrebenden mit sich zu der Klause gezerrt hatte, beschrieb der Vater dem Weisen mit einem Sturzbach von Worten das aufsässige Wesen, das ungehörige Benehmen, die Frechheit des Jungen. Still und nachdenklich hörte der Einsiedler zu.

Als der Redeschwall verebbt war, sprach er ruhig zu dem Mann: „Lasse mich mit deinem Sohn allein. Kehre in die Stadt zurück, verbringe den Tag mit deinen üblichen Arbeiten. Am Abend kannst du ihn dann abholen.“ Der Vater meinte, es dem alten und gebrechlichen Einsiedler nicht zumuten zu dürfen, auch nur kurze Zeit mit dem Unbotmässigen zu verbringen. Doch als der Weise darauf bestand, entfernte sich der Mann schliesslich, nicht ohne nochmals Ermahnungen und Drohworte gegen seinen Sohn zu richten.

Am Abend kam er mit schlimmsten Erwartungen zurück. Wie aber wunderte er sich, seinen Sohn friedlich an der Seite des Einsiedlers zu finden! Kindlich und unschuldig wirkte sein Gesicht, keine Spur von Aufbegehren war darin zu finden. Auch strebte er seinem Vater mit Freude zu.

Selbstverständlich wollte der wissen, was denn in der Zwischenzeit geschehen sei und den Jungen so verändert habe. Der Einsiedler gab die schlichte Antwort: „Ich habe ihn an mein Herz genommen und dort ruhen gelassen. So ist er geworden, wie er jetzt ist.“ Und damit war dann auch die Wende im Leben des Sohnes eingetreten, der seinem Vater keine ernsthaften Schwierigkeiten mehr bereitete. –

Die „Johannesminne“ – ein Herz-Jesu-Bild anderer Art

Eine ansprechende Geschichte über den Sieg der Herzensgüte. Wo Strenge, Strafe, Gewalt versagen, triumphiert die Liebe! Zugleich ist es eine Geschichte, die in den Herz-Jesu-Monat passt. Hat nicht der Apostel Johannes beim Letzten Abendmahl an der Seite Christi geruht (Joh 13,25) wie der Junge an der des Einsiedlers? Zwar war der „Jünger, den Jesus liebte“, wie sich der vierte Evangelist immer wieder nennt (vgl. Joh 13,23–26; 19,26–27; 20,2–10; 21,7; 21,20), zuvor sicher nicht wild und ungezogen gewesen; doch hat ihn die einzigartige Nähe zum Herzen Seines Herrn und Meisters ohne Zweifel verändert und geprägt.

In der Kunst wird die Szene in Skulpturen dargestellt, die man „Johannesminne“ nennt. Das Motiv hat sich aus dem Bild vom Letzten Abendmahl heraus verselbständigt. Ein berühmtes Exemplar, geschaffen um ca. 1280 von Meister Heinrich von Konstanz, war ursprünglich im Kloster St. Katharinental bei Diessenhofen (TG) und ist heute in einem Museum in Antwerpen zu sehen, ein anderes aus der erste Hälfte des 14. Jahrhunderts befindet sich im ehemaligen Zisterzienserinnenkloster Heiligkreuzthal in Oberschwaben (Deutschland). Diese Bilder zeigen Johannes zur Linken Jesu sitzend, den Kopf an Seine Brust gelegt, sozusagen in Sein Herz gesunken, während der Herr ganz aufrecht und wach dasitzt, Seine linke Hand auf die linke Schulter des Johannes gelegt, Seine rechte Hand mit der des Apostels auf eigentümliche Weise verbindend…

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2018-08-14T14:17:35+00:00

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