Der Apostolische Stuhl – Lehrstuhl der Wahrheit

Ein Exklusivbeitrag von Weihbischof Athanasius Schneider

Teil 1

Das vierte Ökumenische Konzil von Konstantinopel lehrte: „Beim Apostolischen Stuhl wurde die katholische Religion stets unversehrt bewahrt und die heilige Lehre in Ehren gehalten… in ihm findet sich die wahre Festigkeit der christlichen Religion“ (aus der Formel von Papst Hormisdas, die von den Vätern des 4. Konzils von Konstantinopel unterzeichnet wurde). Und das 1. Vatikanische Konzil lehrt: „Der Stuhl des heiligen Petrus bleibt immer unberührt von jedem Irrtum, gemäß dem an den Fürsten seiner Jünger ergangenen göttlichen Versprechen unseres Herrn und Erlösers: ‚Ich habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht versage: und du, wenn du einmal bekehrt bist, stärke deine Brüder.‘

Diese Gnadengabe der Wahrheit und des nie versagenden Glaubens wurde also dem Petrus und seinen Nachfolgern auf diesem Stuhle von Gott verliehen, damit sie ihr erhabenes Amt zum Heile aller ausübten, damit die gesamte Herde Christi durch sie von der giftigen Speise des Irrtums ferngehalten und mit der Nahrung der himmlischen Lehre ernährt werde, damit durch Aufhebung (jeder) Gelegenheit zur Spaltung die ganze Kirche einig erhalten werde und, auf ihr Fundament gestützt, sicher gegen die Pforten der Unterwelt bestehe“ (Pastor aeternus, Kapitel 4).

Seit Mitte des dritten Jahrhunderts hat der heilige Cyprian den Begriff „cathedra“ benutzt, um die Vollmacht der römischen Kirche kraft des Stuhles Petri aufzuzeigen, von dem er sagt, dass von dort die Einheit der Hierarchie abgeleitet ist (Brief 59, 16).
Der heilige Hieronymus schrieb zudem: „Deshalb glaubte ich, mir beim Stuhle Petri als dem vom Apostel gerühmten Sitz des Glaubens Rat holen zu müssen. So bitte ich denn dort um die Nahrung für meine Seele, wo ich vor Jahren das Kleid Christi empfangen habe. Wie ich ausser Christus keinen als den obersten Führer anerkenne, so fühle ich mich mit Deiner Heiligkeit, Papst Damasus, d.h. mit dem Stuhle Petri, in Glaubensgemeinschaft verbunden. Weiss ich doch sehr gut, dass die Kirche Christi auf diesen Felsen gebaut ist“ (Brief 1, 15; 1-2).

Gott hat die Gnadengabe der Wahrheit zuerst dem heiligen Petrus und seinen Nachfolgern, den Päpsten, anvertraut, deren Sitz daher als Lehrstuhl der Wahrheit schlechthin bezeichnet wird. Aufgrund ihres Dienstes der Wahrheit, muss den Päpsten stets bewusst sein, dass der Lehrstuhl der Wahrheit nicht ihr Eigentum ist, sondern dass sie Diener und Stellvertreter sind. Das charakteristische Merkmal des Aposteldienstes ist es, „stellvertretende Hirten“ zu sein, wie es die Präfation der Apostelmesse zum Ausdruck bringt: „Die Du als Stellvertreter Deines Werkes der Kirche zugleich als Vorsteher und Hirten bestellt hast.“
Das Amt des Petrus in der Kirche ist wesentlich ein Stellvertreteramt. Daher wird der Papst als „Stellvertreter Christi“ bezeichnet. Der heilige Gregor der Große (+604) hat den römischen Oberhirten gerne als den „Stellvertreter des heiligen Petrus“ (Registrum Epistolarum XII, 7) bezeichnet. Der heilige Papst Gelasius I. (+496) sagte, dass der Papst vor allem ein Diener „catholicae et apostolicae fidei“ [des katholischen und apostolischen Glaubens] (Brief 43) sein müsse.

Der folgende Eid, den Päpste seit mehr als einem Jahrtausend zu Beginn ihres apostolischen Dienstes geleistet haben, ist eindrucksvoll und sehr zeitgemäß: „Ich gelobe, nichts an der Überlieferung, nichts an dem, was ich von meinen gottgefälligen Vorgängern bewahrt vorgefunden habe, zu schmälern, zu ändern oder darin irgendeine Neuerung zuzulassen, vielmehr mit glühender Hingabe als ihr wahrhaft treuer Schüler und Nachfolger mit meiner ganzen Kraft und Anstrengung das überlieferte Gut ehrfurchtsvoll zu bewahren; alles, was im Widerspruch zu der kanonischen Ordnung auftauchen mag, zu reinigen; die heiligen Canones und Verordnungen unserer Päpste gleichwie göttliche Aufträge des Himmels zu hüten, da ich mir bewusst bin, Dir, dessen Platz ich durch göttliche Gnade einnehme, dessen Stellvertretung ich mit Deiner Unterstützung innehabe, strengste Rechenschaft über alles, was ich bekenne, im göttlichen Gericht ablegen zu müssen. Wenn ich es unternehmen sollte, in irgendetwas nach anderem Sinn zu handeln, oder zulassen sollte, dass es unternommen wird, so wirst Du mir an jenem furchtbaren Tag des göttlichen Gerichtes nicht gnädig sein. Daher unterwerfen Wir auch dem Ausschluss des strengsten Bannes jeden, der es wagen sollte – seien es Wir selbst, sei es ein anderer – irgendetwas Neues im Widerspruch zu dieser so beschaffenen evangelischen Überlieferung und der Reinheit des orthodoxen Glaubens und der christlichen Religion zu unternehmen, oder durch seine widrigen Anstrengungen danach trachten sollte, irgendetwas zu ändern, oder von der Reinheit des Glaubens zu unterschlagen, oder jenen zuzustimmen, die solch lästerliches Wagnis unternehmen.“ (Liber Diurnus Romanorum Pontificum). Es ist dringlich, diesen päpstlichen Eid in unseren Tagen zu erneuern.

In der Neuzeit haben die römischen Oberhirten auf der Verpflichtung der Päpste bestanden, die Wahrheit zu verteidigen und die Kirche vor Irrtümern und Häresien zu bewahren. Leo XIII lehrte:
„Allerdings ist es vorab Aufgabe der Kirche, gegen die zahlreichen und weit verbreiteten unsinnigen Meinungen, von denen Wir sprechen, die Verteidigung der Wahrheit zu führen und die Irrtümer aus den Geistern auszurotten. Dieser Aufgabe muss sie jederzeit gewissenhaft nachkommen, denn die Ehre Gottes und das Heil der Menschen sind unter ihren Schutz gestellt. Wenn aber die Not drängt, soll nicht nur die kirchliche Obrigkeit über die Reinheit des Glaubens wachen, ‚vielmehr ist dann jeder Christ gehalten, für seinen Glauben vor anderen offen einzustehen, sowohl um andere Gläubige zu unterweisen und zu bestärken, als auch um den Übermut der Ungläubigen zurückzuweisen‘ (Thomas AquinasS. theol. II-II, qu. 3, a. 2 ad 2). Nur Feiglinge und Zweifler an der Wahrheit ihres eigenen Bekenntnisses weichen vor dem Feind zurück oder verstummen, wenn man von allen Seiten her mit lautem Geschrei die Unterdrückung der Wahrheit fordert. […]  Denn nichts fördert die Verwegenheit der Gottlosen mehr als die Nachlässigkeit der Gutgesinnten. Ja, die Trägheit der Christen ist umso tadelnswerter, als es für die Entkräftung der falschen Anschuldigungen und die Widerlegung der verkehrten Meinungen meist wenig bedarf und sie damit rechnen können, mit einiger Anstrengung Erfolg zu haben. Schliesslich kann es niemandem verwehrt sein, jene Tapferkeit zu besitzen und vor der Welt zu beweisen, die des Christen Kennzeichen ist und häufig allein schon den Mut der Widersacher gebrochen und ihre Anschläge zunichte gemacht hat. Überdies ist ja der Christ zum Kampf geboren; je heisser dieser ist, desto gewisser ist auch mit Gottes Gnade der Sieg: ‚Vertrauet, ich habe die Welt überwunden‘  (Joh 16,33). […] Die erste Erfüllung dieser Pflicht besteht darin, die katholische Lehre offen und standhaft zu bekennen und, soweit es ein jeder vermag, zu verbreiten“ (Enzyklika Sapientiae Christianae, 10. Januar 1890).   (Der letzte Teil folgt im nächsten Heft.)

Der vorausgehende Text ist eine Übertragung eines Vortrags in englischer Sprache, den Weihbischof Schneider anlässlich des Symposiums „Katholische Kirche, wo gehst du hin?“ am 7. April in Rom gehalten hat und uns nun exklusiv zur Veröffentlichung übermittelt hat. Weitere berühmte Teilnehmer der Tagung waren die Kardinäle Raymond Burke und Walter Brandmüller.

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2018-08-19T22:06:59+00:00

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