Die Ambivalenz der Diagnosen

Hans-Arved Willberg | Oft zur Diagnose seelischer Probleme herangezogen und in den USA dafür bevorzugt wird die fünfte Fassung des „Diagnostic and Statistic Manual of Mental Disorders“ (DSM-5). Die erste wurde 1952 veröffentlicht. Sie enthielt auf 130 Seiten 106 Diagnosen. Das DSM-5, das es seit 2013 gibt, stellt auf 947 Seiten 374 Diagnosen vor. Das sind 77 seelische Krankheiten und Störungen mehr als in der vorherigen Version des Jahres 1994. Steckt das Interesse der Pharmaindustrie hinter dieser enormen Ausweitung? Ausgerechnet der Psychiater Allen Frances, Vorsitzender der Kommission, die das DSM-4 erarbeitet hatte, hat scharfe Kritik am inflationären Anstieg der Störungsbilder geübt. Wahrscheinlich ist aber auch das wachsende Forschungswissen der letzten Jahrzehnte mit dafür verantwortlich. Doch auch damit darf man kritisch umgehen. Für die übrige Medizin wurde dazu der Ausdruck „gläserner Patient“ geprägt. Die Verbesserung der diagnostischen Instrumente und Methoden erlaubt es in einem viel höheren Maß als früher, alle möglichen Funktionsstörungen im menschlichen Organismus zu erkennen, die vom Betroffenen keineswegs selbst als behandlungsbedürftiges Problem empfunden werden müssen.

Erst recht komplex wird das Problem des „gläsernen Patienten“ bei den psychischen Leiden, die ja meist nur in ihren Wirkungen sichtbar werden, wenn überhaupt für das Umfeld der Betroffenen. Wenn auch die diagnostischen Möglichkeiten der Neurologie gerade in den letzten Jahrzehnten außerordentliche Fortschritte gemacht haben, bleibt doch ein weites Spektrum an Diagnosen, die nur wie durch Milchglasscheiben hindurch vorgenommen werden können. Die Frage, was unter einem therapeutisch behandlungswürdigen seelischen Leiden zu verstehen ist, lässt sich noch schwerer beantworten wie bei den körperlichen Leiden. […]

Den vollständigen Artikel finden Sie im SKS.

2017-08-30T19:48:41+00:00

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