Erinnerung an unsere Emigration im Jahr 1968

Eva Matejovsky, 8810 Horgen – Infolge der heutigen Massenmigration habe ich das Bedürfnis, unsere Emigration im Jahr 1968 mit den Aussichten der heutigen Masseneinwanderer zu vergleichen.
Jede Emigration ist ein neuer Anfang. Wir wussten, dass wir uns integrieren müssten. Es geht nicht von heute auf morgen. Dieser Prozess dauert Jahre.
Die schöne, hoffnungsvolle Zeit, die «Duběck Ära», endete mit der Okkupation der ehemaligen Tschechoslovakei. Ganz unerwartet überfiel am 21.8.1968 die Warschau-Pakt-Armee unser Land. Damals wohnten wir in Bratislawa (Slowakei). Überall waren Panzer mit bewaffneten Soldaten zu sehen. Das Stadtzentrum war in desolatem Zustand. Die Lebensmittelgeschäfte waren leer und überall herrschte Chaos, Wut und Angst. Wenn die Soldaten eine Menschenmenge sahen, schossen sie hinein. Trotzdem hatten wir mit unseren Okkupanten Mitleid. […] Noch am Abend des 21.8. trafen wir mit meinem Mann die Entscheidung, mit unserem 5-jährigen Sohn aus dieser Hölle zu fliehen. Wir hatten Angst, dass die kommunistische Diktatur zurückkehren würde, und meine Familie war ohnehin auf der «schwarzen Liste». In Eile packten wir das Nötigste in drei Koffer und beschlossen, mit dem Zug nach Wien zu fahren, mit dem Wissen, dass wir unsere Familien und die geliebte Heimat nie wiedersehen würden….
In Wien angekommen, suchten wir mit dem Taxi nach einer Unterkunft. Nach erfolglosem Suchen, landeten wir im Flüchtlingslager «Arsenal». Dort erlebten wir weiteren Horror. Nicht nur anständige Leute, sondern auch Vagabunde und Diebe waren unsere in un.
Zu unserem Glück hatte der Schweizer Bundesrat beschlossen, einen Teil der Flüchtlinge aus Österreich in der Schweiz aufzunehmen. So verliessen wir mit einer vom «Roten Kreuz» organisierten Gruppe nach drei Tagen das trostlose Flüchtlingslager und fuhren mit dem Zug in die Schweiz. Die erste Nacht verbrachten wir in unserem neuen Gastland im Städtchen St. Margarethen. Am nächsten Tag wurden wir in zwei Gruppen aufgeteilt. Das Ziel unserer Gruppe war die zweisprachige Stadt Biel-Bienne. […] Selbstverständlich waren zwischen den Flüchtlingen auch solche, die das politische Asyl missbrauchten, und es gab auch unzufriedene Kritiker und Spione. Unser Asylgesuch wurde innerhalb eines Monats positiv entschieden. Mein Mann und ich hatten beide eine technische Ausbildung und fanden bald eine gute Arbeitsstelle in unserem Fachgebiet. Unser Sohn lernte schnell im Kindergarten Berndeutsch. Nach zwei Monaten Aufenthalt im Hotel «Blaues Kreuz» bekamen wir eine Wohnung und waren selbständig. Für die nötigste Wohnungseinrichtung lieh uns die Gemeinde 4.200 CHF.
Nun kam ein anderes Leiden. Uns wurde voll bewusst, dass hinter uns der eiserne Vorhang zugefallen war und dass wir heimatlos waren. Später hatte uns ein Gericht in der CSSR in Abwesenheit zu einer Freiheitsstrafe und zu einem Verfall unseres Eigentums an den Staat verurteilt.
Nicht alle Emigranten schafften die Integration im fremden Land und waren unzufrieden und unglücklich. Auch unser Leben im Ausland war nicht immer ein Spaziergang durch den Rosengarten. In den siebziger Jahren kam eine grosse Arbeitslosigkeit, und infolge der Krise mussten wir mehrmals unsere Arbeitsstellen wechseln. […] Nach meinen reichen Lebenserfahrungen in der Emigration finde ich es absolut unrealistisch, dass die von überall herkommenden Migranten aus ganz unterschiedlichen Kulturen und Religionen sich hier integrieren können. Wie können sie jetzt unsere anderen Gesetze, unseren Lebensstil und unsere Sitten annehmen? Es gibt nicht nur hilfsbedürftige Flüchtlinge
aus den Krisengebieten, sondern es kommen auch viele Wirtschaftsflüchtlinge, die das Asyl missbrauchen wollen und gefälschte Pässe haben. Es nicht möglich, dass alle Arbeit bekommen. Wovon sollen sie leben?
Vor 49 Jahren war die Schweiz ein Paradies auf Erden. Heute herrscht überall Angst vor Terroristen.
In den Medien ist zu erfahren, dass Eritreer hier Asylgesuch einreichen und dann Ferien in Eritrea machen. So etwas war für uns undenkbar, denn wir wären im Gefängnis gelandet. Wir sind unserem ehemaligen Gastland und heutigem Heimatland immer dankbar dafür, dass wir hier in Menschenwürde leben dürfen. Nach 14 Jahren Aufenthalt in der Schweiz  bekamen wir das Schweizer Bürgerrecht.
Dass wir einmal in unsere alte Heimat reisen dürfen, war für uns nicht denkbar. Was für eine Überraschung erlebten wir, als der eiserne Vorhang fiel!
Auf unserem Lebensweg haben wir grosse Gotteserfahrungen gemacht. ER begleitete uns auf diesem Weg und half uns immer in unseren Nöten.

2017-05-10T00:09:17+00:00

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