Geistliche Berufe

Von Pfr. Dr. Eugen Daigeler – Christen auf der ganzen Welt beten am vierten Sonntag in der Osterzeit um das Geschenk von Berufungen zum Priestertum und zum Ordensleben. Dieses Gebet fristet heute in vielen Pfarreien eher ein Schattendasein und von nicht wenigen wird es gar als überflüssig angesehen. Umso dringlicher stellt sich die Frage: Warum sind geistliche Berufungen Geschenke? Oder deutlicher formuliert: Warum sind sie für die Kirche sogar lebensnotwendig?

Der Apostel Paulus schreibt: „Wir wissen, dass Gott bei denen, die ihn lieben, alles zum Guten führt, bei denen, die nach seinem ewigen Plan berufen sind; denn alle, die er im voraus erkannt hat, hat er auch im voraus dazu bestimmt, an Wesen und Gestalt seines Sohnes teilzuhaben, damit dieser der Erstgeborene von vielen Brüdern sei“ (Röm 8,28-29). Diese Aussicht ist wirklich faszinierend: Wir, alle, sind durch unsere Christwerdung in der Taufe berufen, als Brüder und Schwestern Jesu zu leben, als Söhne und Töchter des einen Vaters im Himmel. Das ist ein Geschenk, das alle menschlichen Vorstellungen und Pläne auf den Kopf stellt, denn es steht im Gegensatz zu einer Versuchung, die heute stark verbreitet ist: Sich selbst zu genügen. Diese Versuchung einer falschen Selbstgenügsamkeit geht nicht selten so weit, dass Menschen sich verschließen gegenüber Gottes Weisungen – „Ich weiß es doch selbst am besten…“, ja sich verschließen gegenüber Gott selbst – „Ich kann es doch allein…“.

Eine Entgegnung auf die Versuchung dieser Selbstgenügsamkeit, vor der auch Christen nicht gefeit sind, ist die Priesterberufung. Es ist nämlich eine wichtige Aufgabe des Priesters daran zu erinnern, dass diese Welt sich eben nicht selbst genügt. Die Welt und der Mensch verdanken sich ganz einem anderen. Und das Leben ist auch nicht bloß ein biologischer Vorgang, der gestern beginnt und morgen zu Ende sein kann. Der Mensch ist zu Größerem berufen – zum Leben in Fülle, dass sich erst entfalten kann, wenn wir als Brüder und Schwestern Jesu leben. Der Priester soll nicht nur daran erinnern. Er soll diese Wirklichkeit auch sichtbar machen durch seine geistliche Lebensweise, durch seinen selbstlosen Dienst und auch durch seine ehelose Lebensform. Der Zölibat ist ja rein innerweltlich eine ungenügende Lebensform. Allein in Christus findet er sein „Genug“ an Leben.

Ist uns das noch bewusst? Oder haben wir uns mit dem Mangel an Priester- und Ordensberufen abgefunden? Oder mehr noch, bezweifeln heute nicht sogar manche katholische Christen überhaupt die Notwendigkeit des Weihe-Priestertums? […]

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2018-04-24T10:45:20+00:00