Familie unter Beschuss

Von Prof. Dr. Reinhold Ortner |

In unserer Gesell­schaft greift schon seit längerer Zeit eine Lebenshaltung um sich, bei der Ehe und Familie nachrangig geworden sind. Damit Gemeinschaft gelingen kann, ist jeder Einzelne in hohem Maße durch seinen persönlichen Einsatz mitverantwortlich. Das überfordert natürlich die modernen Egozentriker in ihrem Anspruchsdenken beim ständigen „Um-Sich-Selber-Kreisen“. Doch wie lange dauert es noch, bis auch sie merken, dass ihr Leben sie selbst nicht glücklich macht und Leben auch Opfer erfordert?

„Lebensabschnittsgemeinschaft“ anstatt Familie
Der Familienstand westlicher Länder ist zunehmend ledig oder von einem Partner entledigt (sprich: getrennt gemeldet oder standesamtlich geschieden), ohne in Enthaltsamkeit zu leben. Die Scheidungsrate spricht Bände. In manchen Ländern werden bereits mehr Ehen geschieden als geschlos­sen. Millionen Kinder sind zu Schei­dungswaisen geworden. Familie zu sein, schließt Kinder mit ein. Neben der finanziellen Mehrbelastung und Benachteiligung gegenüber Singles und kinderlosen Partnern mindert noch das geringe gesellschaftliche Ansehen ihre Lebensqualität. Familien mit mehreren Kindern gelten nicht selten als „asozial“.

Selten sind Familien, die heute noch ein behindertes Kind annehmen. Gesellschaftlich anerkannt sind dagegen die ungezählten Paare, die heute ganz selbstverständlich in so genannter „Wilder Ehe“ zusammen leben. Sind sie nicht ein Beweis, dass es auch ohne Versprechen vor Gott geht? In Wirklichkeit handeln sie dem Partner und möglichen Kindern gegenüber zumindest in fahrlässiger Verantwortung. Mit dem offenen Hintertürchen, durch das man in schlechten Zeiten sofort verschwinden kann, ist jeder Partner nicht mehr wert als ein „Lebensabschnittsgefährte“ und ein Kind als eine „Ware“, die man hin- und herreichen kann. Vernachlässigung von Kindern bis hin zur Kinderfeindlichkeit machen sich breit: Kinder empfindet man (bewusst oder unbewusst) als „Störfaktoren“, ungeplante Schwangerschaften als „Unfall“. Kenntnisse darüber zu besitzen, wie man Kinder „verhütet“ oder „besei­tigt“, erscheint im gesellschaftlichen Bewusstsein wichtiger zu sein als den Fra­gen nachzugehen, wie man Pflege, Zuwendung, Liebe und Geborgenheit schenkt.  Delikte von Kindesmisshandlungen und sexueller Ausbeutung von Kindern nehmen zu.

Infektionsherd für psychische Erkrankungen
Wenn in unserem Umfeld Krankheitsfälle zunehmen, werden wir hellhörig. Sofort versuchen wir, der Ursache auf die Spur zu kommen und sie auszuschalten. Doch warum hier nicht? Trotz der alarmierenden Zu­nahme von psychisch bedingten Verhaltensschwierigkeiten und gravierenden Krankheitserscheinungen bei Kindern und verlassenen Partnern ist man kaum bereit, die dahinterste­henden Ursachen öffentlich beim Namen zu nennen und dagegen anzugehen. Vielmehr verstärkt sich der Eindruck, dass der Infektionsherd für psychische Krankheiten und zerstörte Lebensharmonie sich in aller Selbstverständlichkeit vor unseren Augen ausbreiten darf.

Den vollständigen Artikel finden Sie im SKS.

2018-04-23T13:27:20+00:00