Einübung in die Selbsthingabe

Einübung in die Selbsthingabe in der Nachfolge Jesu als vornehmster Zweck der Fastenzeit

Von Pfarrer Dr. Helmut Gehrmann  – Etwas oder gar sich selbst für andere zu opfern, wird in einer Zeit, die als „postheroisch“ bezeichnet wird, eher kritisch gesehen. Dafür gibt es nachvollziehbare Gründe. Wie oft haben Staatsführer ihre Soldaten zu heroischen Opfern in Kriegen aufgerufen, die sich hinterher als sinnlos erwiesen haben, ja, die in manchen Fällen sogar verbrecherischen Zielen dienten, wenn wir an die verheerenden Kriege des nationalsozialistischen Gewaltregimes in Deutschland denken. So erklärt die ehemalige Sekretärin Adolf Hitlers auf die ihr gestellte Frage, warum sie die wahre Natur dieses Mannes nicht sofort erkannt habe, unter anderem mit den Worten: „Und da gab es damals noch so Erziehungsprinzipien wie Opfer bringen, verzichten und nachgeben, Ideale, die heute eigentlich das Gegenteil sind.“ Damit wäre die Fähigkeit zur Selbsthingabe, zum persönlichen Opfer, als Ursache von Ausbeutung und damit als stabilisierendes Element von Unrechtssystemen benannt.

Verstärkt wird die „Krise des Opfers“ durch eine Verschiebung im menschlichen Selbstverständnis. Menschen sehen sich meist nicht mehr voneinander abhängig. Sie begegnen sich als autonome und gleichberechtigte Partner. Dadurch ist an die Stelle des Opfers für den Nächsten, der Tausch mit einem anderen Menschen getreten. Man gibt, damit man etwas dafür zurückerhält. Handlungen, die dem Nächsten gelten, werden als Investition im Hinblick auf einen zu erwartenden eigenen Gewinn verstanden. Das ist die Logik der kapitalistischen Welt.

Geht damit aber nicht auch jene Sinnspitze des Opfers verloren, die im Christentum im Vordergrund steht und in jeder Eucharistie gefeiert wird? Der Sohn Gottes ist in die Welt gekommen, um uns zu erlösen von Sünde und Tod. Er hat sein Leben für die Sühne unserer Sünden geopfert. Mit den Worten des Priesters, die er bei der Wandlung spricht, wird dieses Erlösungsereignis gegenwärtig gesetzt. In der Unüberbietbarkeit seines Anspruches, der Weg, die Wahrheit und das Leben für die Menschen zu sein, ist er für die zu Erlösenden einzig wahrer Priester, König und Prophet. Das Priestersein Jesu Christi unterscheidet sich von der bis zu seinem Kommen üblichen Auffassung über das Priestertum erheblich. Haben Priester bis zur Menschwerdung Jesu Christi, Rauch-, Speise- und Tieropfer dargebracht, um die Menschen zu entsühnen, bringt sich Jesus Christus am Kreuz selber dar. Er opfert nicht nur etwas, sondern sich selbst. Die Selbsthingabe aus Liebe als Ganzhingabe wird so auch in der Nachfolge Jesu, zu der wir berufen sind, zum Ur- und Vorbild unseres eigenen Lebens.

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2018-04-23T13:28:55+00:00