Offen für alles und nicht ganz dicht

Christa Meves  – Eine der mächtigsten Schubkräfte unserer Zeit ist die Tendenz zur Offenheit.  Was ist nicht in einem Lebensalter alles geöffnet worden, was vorher unter festem Verschluss war – im Hinblick auf die Sitten ebenso wie im Bereich der Politik. Offenheit, und das heißt hier: Toleranz herrscht neu in diesem Jahrhundert im Bereich unserer sozialen Beziehungen: Offen darf man in wilder Ehe leben, offen uneheliche Kinder aufziehen. Tolerabel ist es, fremdzugehen, sich scheiden zu lassen und erneut zu heiraten. Geöffnet sind wir für jegliche Lebensgefährtenschaft mit Angehörigen der fernsten Kulturkreise. Wir Frauen sind geradezu in einen Rausch der Offenheit geraten – im Hinblick auf die Erlaubnis, unsere Körper mehr und mehr nackt zur Schau zu tragen ebenso wie mit dem Ruf nach der Quote. Gremien jeglicher Art haben den Frauen die Tore einladend weit geöffnet. Selbstverständlich stehen uns Frauen – von wenigen Ausnahmen abgesehen – neu auch alle Berufe zur Verfügung, die früher sehr ausschließlich Männern vorbehalten waren.

Auch vor den Kirchentoren macht das einander Zufließen  und Hinströmen nicht halt. Der Ruf nach Ökumene schwemmt  jede Menge Vorbehalte hinweg. Wird Schillers Vision in der Ode  an die Freude von dem Kuss für die ganze Welt schöne Wirklichkeit?  Einst hat angesichts dieser Situation ein Pastor aus Berlin eine  sarkastische Feststellung getroffen: „Wer nach allen Seiten offen ist,  kann nicht ganz dicht sein“, hat er gemeint und damit kritisch auf die  Gefahr einer unbedachten Übertreibung mit der Offenheit hingewiesen.

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2018-04-23T13:28:15+00:00