Die Angst vor Gott

Hans-Arved Willberg | „Gott hat eine rechte und eine linke Hand, und beide setzen seinen Willen ins Werk“, lehrte der Kirchenvater Clemens von Alexandrien. Die „rechte“ Hand ist liebevoll, die „linke“ schlägt und straft. Das Bild ist so vertraut wie schwierig. Wir können nicht anders, als uns Gott wie eine menschliche Vaterfigur vorzustellen, wenn wir es betrachten. Daraus entsteht automatisch das Problem für uns, dass man einem solchen menschlichen Vater nicht vertrauen kann, weil er in sich gespalten ist. Wenn wir uns von der „rechten Hand“ gestreichelt fühlen, müssen wir immer fürchten, dass die linke uns schlägt, und wenn wir empfinden, dass die linke uns schlägt, ist uns die rechte kaum noch des Vertrauens würdig. Das Bild ist nicht nur so geläufig, weil es so oft tatsächlich menschlicher Erziehung entspricht, sondern es findet seine Bestätigung auch darin, dass wir Menschen wohl beide Vorstellungen von Gott in uns tragen. Unser Glaube schwankt zwischen der Furcht vor dem „Angstgott“ und der Freude vor dem „Liebegott“. Theologisch können wir uns das zurechtlegen, weil es gute Argumente dafür gibt, dass Gott nicht immer nur „der liebe Gott“ sein kann. Sonst würde er dem Bösen ja nicht widerstehen. Aber auch die Existenz des Bösen und unverständlich Leidvollen nötigt uns dazu, es irgendwie mit dem geheimnisvollen Willen Gottes in Verbindung zu bringen, sofern wir daran festhalten, dass er …

Den vollständigen Artikel finden Sie im SKS.

2018-01-03T01:40:09+00:00