Himmelfahrt der Kirche

Von Pfarrrer Dr. Helmut Gehrmann | Wenn wir in der heutigen Zeit der Ökumene und damit verbunden, über die Betonung von Gemeinsamkeiten sprechen, kann es leicht sein, dass bei der Thematisierung der Marienfrömmigkeit der Eindruck entsteht, es handele sich hierbei um etwas Zweit- oder sogar Drittrangiges, ja, sogar etwas, das man im Sinne noch zu erreichender Einheit lieber bei Seite lassen sollte. Das Thema „Maria“ steht heute leider unter einem gewissen Rechtfertigungsdruck und daher ist es umso wichtiger, sich der Bedeutung der marianischen Komponente unseres Glaubens zu vergewissern.

In der Lesung aus dem Buch Genesis (Gen 3,9-15.20), die am Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria zu vernehmen sein wird, hören wir vom Sündenfall. Gegen das Gebot Jahwes hatten Adam und Eva von dem verbotenen Baum gegessen. Die Schlange hatte sie mit den Worten verführt: „Ihr werdet sein wie Gott.“ Die Folgen sind bekannt. Es folgt die Vertreibung aus dem Paradies und mit Kain und Abel halten Mord und Totschlag Einzug in die menschliche Wirklichkeit.

Merkwürdig, dass diese Erzählung, die eine Erklärung für die Ursächlichkeit von Endlichkeits- und Begrenztheitserfahrung für die ganze Menschheit sein will, als Lesung Eingang in eine Festliturgie gefunden hat, in der es auf den ersten Blick scheinbar nur um einen einzigen Menschen geht, um die Gottesmutter Maria. Was ist für uns zu feiern, wenn es bei diesem Festgeheimnis nur um das Freisein Mariens von der Erbsünde zu gehen scheint? Gibt es eine Bedeutung für uns, die wir dieses Privileg nicht erhalten haben? […]

2017-08-30T20:25:59+00:00