Die Liebe aus theologischer Sicht – Letzter Teil

Erkenntnisse über die eheliche Liebe im Kontext der Gottesliebe

Von Kaplan Florian Leppert

Das II. Vatikanische Konzil sieht in der Ehe in seiner Konstitution Gaudium et spes in Nr. 48 den Ort, worin Mann und Frau zu ihrer eigenen Vervollkommnung gelangen. Dieses Ziel wird dadurch erreicht, indem sich die Eheleute einander schenken, sich gegenseitig annehmen und sich so in gegenseitiger Hingabe und ständiger Treue lieben. Hierin wird zweifelsohne auch der Aspekt der erotischen Liebe angesprochen. Diesen Dienst der Vervollkommnung leistet, so das Konzil, insbesondere die Agape, als die Form der Hingabe und Treue, wobei die erotische Liebe wie die Selbstliebe nicht vernachlässigt werden dürfen.

Die Ehe ist nun, so das Konzil, der bevorzugte Ort einer solchen liebenden Gemeinschaft mit anderen Menschen. Durch den rechtlichen, wie durch den sakramentalen Rahmen der Ehe, entsteht eine Vertrauensbasis, die es den Eheleuten ermöglicht, dieses Angenommen- und Bejahtsein intensiv zu erleben. Ein weiterer Gesichtspunkt ist der mit der Ehe verbundene Wunsch nach Ausschließlichkeit und Dauerhaftigkeit. Ein Mensch sagt in der Ehe dem anderen, und nur diesem, seine unverbrüchliche Treue bis zum Lebensende zu. Eine Öffnung zum anderen hin fördert die eigene Vervollkommnung und gibt der Ehe damit ihren tiefen Sinn. Theologisch vertiefen kann man diese Sichtweise dadurch, indem man festhält, dass dann, wenn Gott selbst die verschenkende Liebe im Sinne der Agape ist, der Mensch in besonderer Weise mit ihm in Verbindung tritt, wenn er sich liebend an andere wendet. In der mitmenschlichen Zuwendung wird einem Menschen gleichzeitig die Liebe Gottes durch einen anderen Menschen erschlossen (1 Joh 4,16) – Gottes- und Nächstenliebe verbinden sich somit. Dieser Forderung kann der Mensch als unvollkommenes Wesen angesichts seiner Schwäche nur teilweise entsprechen. So sind sich die Ehepartner in der Ehe zugleich auch immer Aufgabe und Ansporn zugleich. Dieses Einswerden der Eheleute richtet sich besonders auch auf den Aspekt der Fruchtbarkeit. Wenn die Eheleute in ihrer Ehe den Bund Gottes mit seiner Schöpfung repräsentieren, ahmen sie gleichzeitig dessen Schöpfungswillen nach, indem sie Kindern das Leben schenken. Der Segen der Nachkommenschaft ist ein zentraler Sinnwert in der Geschlechterbeziehung.

Für einen theologisch umfassenden Sinn der Ehe ist ihre Sakramentalität von entscheidender Bedeutung. Das NT sieht die Ehe als Sakrament, als ein wirksames Zeichen der liebenden Zuwendung Gottes und der Ausrichtung auf endgültige Vollendung (Eph 5,21-33; 2 Kor 1,19-21; Offb 21,2). Diese Anschauung des NT gründet in der Vorstellung, die schon das AT von der Ehe hatte. Durch die Heilstat Jesu jedoch ist die brüchig gewordene Liebe der Menschen durch die Liebe in Christus geheilt worden. Die Ehe als Sakrament meint, dass das gegenseitige Jawort der Eheleute zueinander ein Nachvollzug jener größeren Liebe ist, die Gott in Christus den Menschen geschenkt hat. Im sakramentalen Vollzug der Ehe durch Wort und Zeichen kommen Christi Wirken und das Tun der Brautleute zusammen. Das Jawort, das Gott zu seiner Schöpfung gesprochen hat, wirkt im Jawort der Eheleute weiter. Die Eheleute sind somit ein sichtbares Zeichen der Verbindung von Gott mit seiner Schöpfung. Durch die Schöpfung ermöglicht sich Gott ein Gegenüber, indem er in der heilschaffenden Bejahung in Jesus Christus Liebe unter Mann und Frau fördert und verwirklicht.

Außerdem wird die Ehe für die Eheleute selbst zu einem Ort der Erfahrung des Sakraments. Die Liebe in der Ehe trägt einen Verheißungscharakter auf eine Erfüllung hin in sich. Die Erfahrungen der Eheleute in dieser Welt sind Vorauserfahrungen dessen, was Gott ihnen einmal endgültig und in Fülle schenken will (1 Kor 13,8-13).

 

Die Liebe in Psychologie und Theologie – Gemeinsames und Trennendes

Wie die bisherige Darstellung gezeigt hat, gehen Psychologie und Theologie zum einen unterschiedlich an das Thema Liebe heran; zum anderen können aber auch Gemeinsamkeiten ermittelt werden. […]

Der vollständige Artikel findet sich im SKS.

 

2017-04-24T17:04:54+00:00