Psychologie und Theologie der Liebe

Die Liebesthematik aus psychologischer Sicht – Versuch einer Definition des Begriffes Liebe
Von Kaplan Florian Leppert

Die wissenschaftliche
Psychologie hat sich dem Phänomen Liebe aus verschiedenen Gründen erst sehr spät zugewandt. Zum einen ist die Schwierigkeit der wissenschaftlichen Fassbarkeit des Begriffes „Liebe“ gegeben; denn Liebe ist eine vielschichtige Erscheinung, die sich nicht eindeutig definieren lässt, da sie persönlichkeitsabhängig ist und sich zugleich laufend wandelt. Zum anderen befürchtete man eine Entzauberung des Phänomens Liebe, wenn es zu einem objektiven, wissenschaftlichen Forschungsgegenstand wird.

So ist aus psychologischer Sicht eine Definition, was Liebe genau ist, was sie bedeutet oder darstellt, nur sehr schwer möglich. Die verschiedenen Sparten der empirischen Psychologie wie z.B. die Entwicklungspsychologie, die Persönlichkeitspsychologie, die Psychotherapie und die Psychoanalyse gehen jeweils auf ihre Art mit dem Thema Liebe um. Hier soll näherhin auf das Gebiet der Entwicklungspsychologie eingegangen werden.

Der Paartherapeut Willi Jürg sieht in seinen Erfahrungen die Liebe als eine sich ständig wandelnde, sich neu entwickelnde, kultur- und zeitabhängige Erscheinungsform. Es gibt verschiedene Arten von Liebe. Liebe zu verschiedenen Gegenständen oder Haltungen, Liebe zu Tieren und Liebe zwischen Personen; letztere ist in diesem Kontext relevant. Hierzu stellt er seine Erfahrungen in Korrelation mit den Untersuchungen von Jacob Needleman. Demnach sieht sich der Mensch als unvollkommen an und strebt ständig in einem inneren Kampf nach Vervollkommnung. Dieses Streben findet er nicht nur in sich selbst, sondern auch bei seinem Gegenüber. Dieses Wahrnehmen des anderen als einen, der ständig auf der Suche nach seinem Weg ist, lässt das Bedürfnis entstehen, ihn bei dieser Suche zu unterstützen. Der eigene Wunsch zu reifen und zu wachsen gibt uns den Antrieb, dies dem anderen auch zu ermöglichen. So kann ein wechselseitiges in Aussicht stellen von Erfüllung und Verwirklichung der tiefsten Sehnsüchte festgestellt werden.

Was also näherhin unter Liebe zu verstehen ist, kann zusammenfassend so ausgedrückt werden: Liebe beruht nicht auf der Befriedigung definierter Bedürfnisse, sondern ist ein Entwicklungsprozess zweier Menschen, die sich gegenseitig darin unterstützen, reifer, besser, vollkommener zu werden. Trotz des gegenseitigen Wahrnehmens von Fehlern und Unvollkommenheiten wird das Ringen um Verständigung und die damit verbundene Hoffnung auf Entfaltung der Fähigkeiten im Prozess der Liebe vorangetrieben. […] Der vollständige Artikel findet sich im SKS.

2017-04-24T17:05:04+00:00